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Der Lebensmittelgroßhändler KASTNER musste aufgrund der Corona-Krise hohe Umsatzverluste hinnehmen: Das Geschäft mit der Gastronomie brach ein. Obwohl der Familienbetrieb mit 900 Mitarbeitern bis dato keinerlei Erfahrung mit Telearbeit hatte, zeigte KASTNER digitale Stärke und wagte den Sprung ins Ungewisse. Im Interview gibt Prokurist Wolfgang Huber Auskunft darüber, ob und wie dieses Wagnis gelang.

KASTNER_WolfgangHuberFrage: Als Lebensmittelversorger ist KASTNER ein systemrelevantes Unternehmen und durch die Corona-Krise ganz besonders gefordert. Wie hat sich die Corona-Krise bei KASTNER ausgewirkt - insbesondere auch intern?

Wolfgang Huber: KASTNER erwirtschaftet etwa zwei Drittel seines Umsatzes mit Gastronomiekunden und Großverbrauchern. Dieses Geschäft ist durch die Corona-Krise stark eingebrochen. Beliefert werden auch selbstständige Kaufleute unter der Marke Nah&Frisch. Deren Umsätze sind durch die derzeitige Situation gestiegen. Ebenfalls positiv hat sich das Geschäft unseres Bio-Großhändlers BIOGAST entwickelt. Insgesamt musste die KASTNER-Gruppe aber hohe Umsatzverluste hinnehmen. Wir haben deshalb alle Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet.

Frage: KASTNER betreibt mit myProduct.at eine Einkaufsplattform, bei der Kunden bei 500 österreichischen Kleinproduzenten einkaufen können. Wie hat sich die Corona-Krise auf diesen Bereich ausgewirkt?

Huber: Das Geschäft von myProduct.at hat sich sehr gut entwickelt. Wir sind sehr zufrieden. Die Umsätze haben sich in der Krise verfünffacht. Die Nachfrage nach regionalen Produkten, und Produkten die online gekauft werden können, ist stark gestiegen.

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Frage: Die Digitalisierung war allgemein vor Corona ein wichtiges Thema: Wie weit war die digitale Transformation bei KASTNER vor der Corona-Krise vorangeschritten?

Huber: Vor der Krise haben wir Telearbeit nicht angeboten. KASTNER und seine Mitarbeiter haben sich bis vor kurzem auch sehr strikt an die Öffnungs- und Bürozeiten gehalten. Dies hat sich durch die Corona-Krise sicherlich gelockert. In einzelnen Abteilungen arbeiten die Mitarbeiter nun in einem Zwei-Schicht-Modell. Ein Teil arbeitet an seinem Arbeitsplatz, der andere Teil von zu Hause aus. Dadurch sind weniger Mitarbeiter an den Standorten und die Abstandsregeln werden eingehalten.

Frage: KASTNER beschäftigt etwa 900 Mitarbeiter. Wie viele Kollegen wechselten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen in die Telearbeit?

Huber: KASTNER bietet nun Telearbeit an, wo dies möglich ist. Das ist nur in wenigen Bereichen der Fall. Derzeit beschäftigt KASTNER etwa 30 Mitarbeiter in Telearbeit.

Frage: Wie konnte KASTNER diese Aufgabe technisch meistern und welche Rolle hat dabei Magenta Business gespielt?

Huber: KASTNER ist seit etwa 25 Jahren Kunde von T-Mobile Austria bzw. nun Magenta und unsere Mitarbeiter nutzen die flexiblen Pooltarife. Damit war es für uns sehr einfach, die technischen Voraussetzungen für Telearbeit zu schaffen. Die Mitarbeiter können über IP-VPN ganz einfach ins Firmennetzwerk einsteigen und so arbeiten, wie sie es von ihrem Arbeitsplatz gewohnt sind.

Wir selbst mussten auch keine Vorkehrungen hinsichtlich der IT-Security treffen – Um das alles hat sich Magenta Business für uns gekümmert. Die Zusammenarbeit mit Magenta war all die vielen Jahre sehr gut und gerade jetzt ist uns Magenta Business als verlässlicher Partner in diesem Digitalisierungsprozess beigestanden. Ich wünsche, dass diese Partnerschaft so weitergeht.

Frage: Die technischen Voraussetzungen für Telearbeit zu schaffen ist das eine. Für den einzelnen Mitarbeiter und auch für das Unternehmen bzw. die Führungskräfte ist dieser Wechsel im Hinblick auf andere Aspekte herausfordernd: So ist etwa von jedem einzelnen mehr Selbstorganisation gefordert, die Kommunikation muss sich verändern, Führungskräfte müssen bei der Motivation und Mitarbeiterführung anderes vorgehen, wenn die Kollegen nicht persönlich anwesend sind. Wie gut ist KASTNER der Wechsel in die Telearbeit hinsichtlich dieser Aspekte gelungen?

Huber: Was das betrifft, tickt jeder Mitarbeiter anders. Erstens weil der gewohnte Arbeitsalltag des Einzelnen sehr unterschiedlich ist und stark davon abhängt, in welcher Abteilung oder in welchem Bereich sie oder er tätig ist. Zweitens hängt es vom persönlichen Lebensumfeld ab, wie sich jeder einzelne Kollege die Telearbeit selbst organisiert. Ich persönlich beispielsweise hätte die Möglichkeit, Telearbeit öfter zu nutzen. Aber das mache ich nicht. Ich bin sehr froh, wenn ich im Büro arbeiten kann. Dort habe ich meine Ruhe, kann mich konzentrieren und finde alles sehr schnell, was ich zum Arbeiten brauche.

Aber wie gesagt; da tickt jeder ein bisschen anders und es gibt Kollegen, die lieber von Zuhause aus arbeiten. Unsere Softwareentwickler beispielsweise sind froh, in den eigenen vier Wänden arbeiten zu können. Mithilfe des Zugangs zum Firmennetzwerk steht ihnen dort alles zur Verfügung, was sie zum Arbeiten brauchen und sie sind ungestört. An ihrem angestammten Arbeitsplatz war das nicht immer der Fall, weil dort eben manchmal Mitarbeiter anderer Abteilungen zu ihnen gekommen sind. Auf jeden Fall braucht man ein gewisses Maß an Disziplin, um auch von Zuhause aus seine Arbeit zu verrichten. 

Frage: Welche Erfahrungen konnte KASTNER beim Wechsel in die Telearbeit selbst sammeln und welche Tipps können Sie Unternehmen/Organisationen geben, die in einer ähnlichen Situation sind.

Huber: Vor der Krise kamen alle Bereichsleiter von KASTNER einmal im Monat in der Zentrale in Zwettl zu einer Sitzung. Diese Treffen, an denen etwa 20 Personen teilnehmen, finden nun als Telefon- bzw. Videokonferenz statt - und zwar jeden zweiten Tag. Durch die derzeitige Situation ist der Kommunikationsbedarf stark gestiegen, darum treffen sich die Führungskräfte nun öfter. Bei den etwa 90 Minuten langen Sitzungen werden wichtige Themen wie Umsätze, Öffnungszeiten, Desinfektionsmaßnahmen und die Pläne für die nächste Woche besprochen.

Diese Konferenzen funktionieren sehr gut, weil sich alle Teilnehmer auf das Wesentliche konzentrieren. Es gibt keine Bemerkungen oder Zwischenrufe, die nicht zum Thema passen, so wie das bei den persönlichen Zusammenkünften der Fall wäre. Viele Kollegen ersparen sich auch die Anfahrtszeit. Ich kann also jedem Unternehmen raten, für die Zeit nach der Corona-Krise, einen Teil der Meetings weiterhin virtuell abzuhalten. KASTNER wird das auf jeden Fall tun. Alle Besprechungen lassen sich aber nicht als Telefon- oder Videokonferenzen durchführen.

Frage: Wird KASTNER auch in Zukunft Telearbeit anbieten?

Huber: Aus heutiger Sicht bin ich mir nicht sicher. In vielen Bereichen ist der direkte Kontakt mit dem Kunden wichtig und Telearbeit dadurch nicht möglich. Viele unserer Mitarbeiter sind die Arbeit im Büro gewohnt und freuen sich schon wieder auf die Kollegen. Vielleicht wünscht sich der eine oder andere mehr Flexibilität, weil das aktuelle Lebensumfeld dies gerade verlangt. Hier wird KASTNER die Wünsche der einzelnen Mitarbeiter prüfen. Insgesamt verfolgen wir aber nicht die Strategie, Mitarbeiter in Telearbeit zu schicken.

Frage: Wann und wie wird KASTNER wieder auf „Normalbetrieb“ umschalten?

Huber: Wir hoffen, dass wir mit Anfang Juli keine Mitarbeiter mehr in Kurzarbeit beschäftigen müssen. Die Gastronomiebetriebe haben seit Mitte Mai offen und es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis sich die Geschäfte wieder einigermaßen normalisiert haben.  

Frage: Welche Learnings nehmen Sie aus der Bewältigung dieser Krise für das Unternehmen mit?

Huber: Im Normalfall kann man in Schönheit sterben. Man versucht alles perfekt zu machen und verliert dadurch vielleicht ein bisschen den Blick auf das wirklich Wichtige. Diese Gefahr besteht in der derzeitigen Krise nicht: Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche - auch weil derzeit nicht mehr möglich ist. Uns geht es darum, unser Geschäft weiterzuführen.

Das bedeutet, dass wir unsere Kunden mit unseren Produkten rechtzeitig beliefern. Für andere Dinge wie soziale Kontakte, Zwischenmenschliches oder auch neue Ideen bleibt bei uns derzeit einfach wenig Zeit. Ich glaube nicht, dass dies auf Dauer für Mitarbeiter, Kunden, Partner und letztendlich das Unternehmen selbst gut ist. Wir müssen in Zukunft wieder die Zeit dafür haben, neue Strategien zu entwickeln und Ideen weiterzuverfolgen.

Über KASTNER:

KASTNER ist ein selbstständiges, mittelständisches, österreichisches Familienunternehmen, das sich aus eigener Kraft vom kleinen, 1828 gegründeten, Landkaufhaus zum modernen Lebensmittelgroßhändler mit Sitz in Zwettl entwickelt hat und in fünfter Generation geführt wird. Die KASTNER Gruppe beschäftigt an 7 Standorten (Amstetten, Eisenstadt, Jennersdorf, Krems, Wien Nord, Wien Süd, Zwettl) 900 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 248 Mio. Euro. KASTNER ist der Spezialist für die Nahversorgung im Lebensmitteleinzelhandel, den Convenience-Bereich sowie für Gastronomie und Großverbraucher. Mit BIOGAST ist KASTNER überdies der in Österreich führende Bio-Großhändler für die Bio-Gastronomie und den Bio-Fachhandel. Weiters bietet KASTNER in Kooperation mit myProduct.at einen einzigartigen Online-Shop für regionale, handwerkliche Produkte sowohl im Business-to-Business als auch im Business-to-Consumer Bereich.

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