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05.07.2021     Kerstin Lobner

Mobiles Arbeiten wird nach Home-Office wahrscheinlich einen neuen Boom erfahren. Waren es zuvor vor allem “Digital Natives”, die Arbeit und Mobilität flexibel miteinander vernetzt haben, wird Remote Work die neue Arbeitswelt nach Corona spürbar mitbestimmen. So zumindest die Prognosen von Experten wie Franz Kühmayer und Aussagen vieler nationaler sowie internationaler Unternehmen.

Laut der Flexible Working Studie von Deloitte war das Modell “Gleitzeit mit Kernzeit” in Österreich bereits vor dem Frühjahr 2020 gut etabliert. So fand das Konzept in 61 Prozent der Unternehmen bei mindestens der Hälfte der Mitarbeiter guten Anklang. Nun steht die Arbeitswelt vor neuen Herausforderungen und die Gesetzeslage hinkt den schnellen Änderungen am Arbeitsmarkt noch hinterher. So soll etwa laut Aussage des Ministers für Arbeit Martin Kocher im Digital T-Breakfast vom 17.05.2021 die neue Home-Office-Regelung im nächsten Jahr zuerst evaluiert werden, bevor weitere Schritte geplant sind.

Unternehmer und Führungskräfte müssen aufgrund dieser Ambivalenz eine Gratwanderung schaffen zwischen den Bedürfnissen der Mitarbeiter, bestehenden Umsetzungsmöglichkeiten sowie rechtlichen Rahmenbedingungen.

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Rechtliche Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten in 2021

Arbeitszeitgesetz:

Da das Arbeitszeitgesetz auch mobiles Arbeiten und Home-Office umfasst, müssen sich Dienstgeber und Dienstnehmer auf eine geregelte Verteilung der Arbeitszeit einigen.

Freiwilligkeit:

Trotz gesundheitsbedingter Maßnahmen bleibt mobiles Arbeiten ein Akt der Freiwilligkeit, dem der Mitarbeiter mittels eines entsprechenden Arbeitsvertrages oder einer alternativen expliziten Vereinbarung zustimmen muss.

Arbeitsgesetze:

Bestehende Arbeitsgesetze wie Kollektivverträge, das Angestelltengesetz, Urlaubsgesetz, Gleichbehandlungsgesetz etc. gelten ebenso für mobiles Arbeiten wie für die Büroarbeit.

Arbeitsmittel:

Als Dienstgeber sind Sie dazu verpflichtet, den Mitarbeitern passende Arbeitsmittel für zu Hause oder unterwegs zur Verfügung zu stellen sowie für die Kosten von Telefon und Internet aufzukommen.

Gesundheitsschutz & Sicherheit am Arbeitsplatz:

Wie zuvor haftet der Arbeitgeber auch beim mobilen Arbeiten für die Gesundheit und Sicherheit der eigenen Mitarbeiter. Für Arbeitsunfälle, die im Home-Office passieren, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt [Stand Juni 2021] noch keine klare gesetzliche Regelung.

Arbeitsorganisation:

Die Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetze müssen eingehalten werden und ein (virtuelles) Treffen unter Kollegen muss regelmäßig möglich sein. Detaillierte Bedingungen wie Dauer der Heimarbeit, wöchentliche Arbeitsstunden und zusätzliche Benefits treffen Dienstgeber und Dienstnehmer am besten in Betriebs- oder Einzelvereinbarungen.

Privatsphäre:

Mobiles Arbeiten steht nicht in Konkurrenz zur Privatsphäre der Mitarbeiter, d.h. als Chef haben Sie kein Recht auf Zutritt zum Heimarbeitsplatz ihrer Angestellten. Eine Kontrolle des Home-Office bedarf des expliziten Einverständnisses des Mitarbeiters.

Aus- und Weiterbildung:

Zum einen muss der Belegschaft die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung gegeben werden, zum anderen fordern Mitarbeiter Möglichkeiten zu lebenslangem Lernen immer mehr ein. Die steigende Zahl an Onlinekursen, Webinaren und MOOC-Plattformen (Massive Open Online Courses) bietet hier attraktive Angebote, die alle Beteiligten zufriedenstellen dürfte.

Datenschutz & Datensicherheit:

Schließlich dürfen auch der Datenschutz und die Datensicherheit in dieser Auflistung an rechtlichen Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten nicht fehlen. So müssen u.a. verarbeitete Daten zu jedem Zeitpunkt geschützt und datenschutzkonform sein.

Weitere Tipps für Chefs zu mobilem Arbeiten

Informieren Sie sich über bestehende rechtliche Rahmenbedingungen

Zwar ist zu erwarten, dass in der Zeit nach Corona neue bzw. angepasste oder veränderte rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, doch gelten auch heute schon gesetzliche Grundlagen wie etwa das Arbeitszeitgesetz oder das Datenschutzgesetz.

Sensibilisieren Sie Mitarbeiter für Sicherheitsrisiken

Das größte Sicherheitsrisiko ist noch immer der Mensch, wie Sicherheitsexperten immer wieder bestätigen. Manch ein Mitarbeiter trägt etwa das Passwort zum unternehmensweiten Intranet fein säuberlich verstaut in seinem Geldbeutel umher, was nach einem Diebstahl oder Verlust mehr Schaden verursachen kann als demjenigen bewusst ist. Andere öffnen im stressigen Geschäftsalltag schnell mal eine infiltrierte Spammail und schaffen dadurch Schlupflöcher für Ransomware oder andere aktuelle Cyber-Risiken. Unternehmen, die Opfer eines Cyberangriffs wurden, sind dazu verpflichtet, diesen innerhalb von 72 Stunden zu melden.

Als Chef ist es daher ratsam, Sicherheitsrisiken immer wieder zu thematisieren und Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren. Regelmäßige Trainings und Workshops sorgen dafür, dass die Kollegen die Gefahren des mobilen Arbeitens für IT-Security verinnerlichen und lernen damit umzugehen. Obwohl es keine 100-prozentige Sicherheit geben kann, lassen sich Einfallstore doch spürbar reduzieren.

Bieten Sie hochwertigen Arbeitsraum außerhalb der eigenen vier Wände

Wie sich über die vergangenen Monate gezeigt hat, ist mobiles Arbeiten Fluch und Segen für alle Beteiligten. Viele Unternehmen planen daher ähnlich wie Magenta Telekom die Einführung eines hybriden Arbeitsplatzes, sodass die Belegschaft teils zu Hause, teils im Büro arbeitet.

Die Herausforderung wird darin liegen, den Abbau von fixen Büroarbeitsplätzen nicht als Einsparungsmethode zur monatlichen Kostenreduktion zu nutzen, sondern moderne Bürokonzepte wie Desk Sharing oder Quiet Zones zu etablieren. Außerdem brauchen Organisationen gute und sinnvolle Regelungen, beispielsweise gemeinsam abgestimmte Zeitpläne, welche Teams sich wann in den Büroräumlichkeiten aufhalten.

Etablieren Sie eine Unternehmenskultur, die zu mobilem Arbeiten passt

Bei allen Richtlinien, Gesetzen und Vorgaben geht es auch immer um eine wertschätzende und gut organisierte Unternehmenskultur. Entwickeln Sie als Chef gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern passende Konzepte, um das Miteinander in einer Zeit mobilen Arbeitens zu optimieren, z.B.

  • es gibt Raum für individuelle Vereinbarungen, um Flexibilität im Alltag eines jeden Mitarbeiters zu schaffen
  • zugleich gibt es feste Regeln, an die sich alle Teams halten müssen
  • Mitarbeiter dürfen ihre Erreichbarkeit in angemessenem Rahmen einschränken
  • es werden Fristen gesetzt und eingehalten
  • Entscheidungen werden transparent getroffen und kommuniziert
  • die Ausstattung muss alle Mitarbeiter umfänglich zu ihren täglichen Aufgaben befähigen
  • Vertrauen kommt vor Kontrolle
  • Feedback ist wichtig, muss aber in einem geordneten Rahmen stattfinden

Fazit: Rechtliche Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten in 2021

Die Arbeitswelt ist im Wandel und mit ihr die zugrunde liegenden Bedingungen. Obwohl die Gesetzeslage mit den überaus schnellen Veränderungen nicht mithalten kann, haben die Verantwortlichen von Bund und Ländern in den vergangenen Monaten doch eine recht schnelle Anpassungsfähigkeit an aktuelle Umstände gezeigt. Ratsam ist in der momentanen Lage daher, sich stets auf dem aktuellen Stand zu halten und sich bei verlässlichen Quellen wie der WKO oder der Arbeitsinspektion zu informieren.

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