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22.12.2020     Kerstin Lobner

„Wir leben in wunderbaren, prototypischen Aufbruchszeiten”, sagte Franz Kühmayer beim dritten Event der internen Veranstaltungsreihe „Neues Arbeiten @Magenta Telekom”. Für die Mitarbeiter des Digitalisierungskonzerns warf der Trendforscher einen Blick nach vorne in die Zukunft und damit auf die Arbeitswelt nach Corona. Außerdem tauschte sich Franz Kühmayer im Gespräch mit Alexandra Eichberger, Vice President Change & HR Excellence und Werner Kraus, dem SVP Business & Wholesales bei Magenta, über aktuelle Herausforderungen und Bedürfnisse von Unternehmen angesichts der sich wandelnden Arbeitsbedingungen aus.

Als Experte für die Zukunft der Arbeit, Bildung und Leadership konnte Franz Kühmayer wertvolle Einblicke in die disruptive Zeit während und nach Corona geben sowie aufzeigen, welche Aspekte der Berufswelt sich in Zukunft neu definieren werden. Spannend bleibt dabei die Frage, ob die Berufswelt von morgen sich in diesem Moment des Chancenüberflusses für ein neues oder altes Spiel entscheiden wird.

Der Blick in die Zukunft

„Der Mensch ist ein prognostisches Wesen”, wie der Zukunftsforscher erklärte. Nicht nur er, sondern jeder einzelne wirft regelmäßig einen Blick in die Zukunft, stellt Hypothesen auf und macht Pläne. Das Gehirn hat also eine Vorwärtsrichtung, obwohl schon hellseherische Fähigkeiten vonnöten wären, um tatsächlich in die Zukunft sehen zu können. Der Blick nach vorne ist dabei von 2 Dingen geprägt:

1. Entwicklungsströme, die über Jahrzehnte hinweg beobachtet werden können 2. Disruptionen, d.h. kurzfristige Unterbrechungen, Beschleunigungen bzw. Irritationen

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Kaum einer wird leugnen, dass das Jahr 2020 eher ein disruptives Jahr war, das von vielen eher wie ein Tsunami empfunden wurde. Eine Disruption besteht laut des Trendforschers aus 3 Phasen:

1. Latenz-Phase: Die schwachen Signale des Wandels werden nur von einigen wahrgenommen. So war es bereits seit Jahren klar, dass die Arbeitswelt sich ändert, aber nur wenige Unternehmen haben ausreichend auf diese Signale reagiert.

2. Manifeste Phase: Im Angesicht einer hereinbrechenden Flutwelle bzw. einer Pandemie können die Betroffenen nur noch bestmöglich reagieren und trotz fehlender, diffuser Informationslage versuchen zu überleben.

3. Konsequenz-Phase: Die Zukunft beginnt mit einem „New Normal”, d.h. mit einer neuen Arbeitswelt, die von den Menschen geschaffen wird. Anfangs mögen das nur Trampelpfade sein, später aber asphaltierte Wege, auf denen sich die arbeitende Gesellschaft von morgen bewegen wird.

Arbeitswelt nach Corona – eine neue Ära bricht an

Es sei eine Illusion zu glauben, dass wir nach Corona in dasselbe Büro zurückkehren wie vor der Pandemie, so der Trendforscher. Der Blick in die Zukunft lenkt unser Augenmerk auf spannende Aspekte der neuen Arbeitswelt, die von drei Erfolgsfaktoren abhängig sein wird. In seinem Vortrag sowie im Gespräch mit Werner Kraus zeigte Franz Kühmayer die Trends der Arbeitswelt von morgen auf.

Erfolgsfaktoren

1. Infrastruktur, die zur Verfügung gestellt wird

2. Kompetenz, um mit Infrastruktur umzugehen

3. Kultur, d.h. Unternehmens- und Führungskultur

Beide Gesprächspartner sind sich einig, dass Unternehmenskultur in der Arbeitswelt nach Corona wichtiger denn je sein wird. Sie werde von den einzelnen Menschen geprägt, die von nun an autonomer und flexibler arbeiten werden. Kontrolle gehöre daher der Vergangenheit an und müsse in Zukunft noch stärker durch Vertrauen ersetzt werden. Gemeinsam mit Mitarbeitern müssen neue Wege gefunden werden, das private und berufliche Leben in gesundem Maße zu verbinden. Führungsarbeit werde näher am Menschen stattfinden und Entscheidungen würden aus der Mitte statt von oben nach unten getroffen. Die österreichische Unternehmenslandschaft sei hier bereits auf dem Weg, habe aber noch viele Meilensteine vor sich.

Gesunde Arbeit

Soziale Rückkopplung, weniger Pausen im Home Office, fehlendes Sozialsystem des Unternehmens, unregelmäßige Arbeitszeiten oder private Spannungsfelder haben das Jahr 2020 zu einem äußerst herausfordernden Jahr gemacht. Mit Blick auf die Zukunft gibt Franz Kühmayer in der folgenden Diskussionsrunde 3 Tipps, um in der Arbeitswelt eine gesunde Balance zu finden:

1. Anerkennen, dass es keine klare Faktenlage mehr gibt und die Welt sich weiter entwickelt.

2. Stattdessen das eigene Reaktionsmuster auf die Welt verändern und diesen Handlungsspielraum nutzen.

3. Mentale Fitness und Resilienz üben, sowie ein Ventil für sich finden, um den Kopf frei zu bekommen.

Neuer Arbeitsraum

Während für Wissensarbeiter früher das Büro als Flagship diente, ist der digitale Arbeitsplatz über die letzten Monate zum „New Normal” geworden. Damit verändern sich auch die funktionalen und soziokulturellen Bedürfnisse an die Arbeitsumgebung. Weniger betroffen davon sind mobile Arbeiter, die bereits vor Corona bestens vernetzt und ausgestattet tätig waren, wie beispielsweise Service-Mitarbeiter für Maschinen und Kundendienste vor Ort.

Bei der Neugestaltung der Arbeitsumgebung rät Franz Kühmayer Unternehmen, sich ein Beispiel an anderen Betrieben zu nehmen, statt sie zu kopieren. Der Arbeitsraum müsse je nach Unternehmen seine Funktionen in unterschiedlichem Ausmaß erfüllen:

1. Funktionalität: Lässt sich beispielsweise ein höhenverstellbarer Tisch mit 2 Monitoren zu Hause installieren oder ist hierfür ein Büro notwendig?

2. Soziale Begegnungsstätte: Ist der Unternehmenserfolg davon abhängig, dass sich die Mitarbeiter physisch begegnen, um beispielsweise bei zufälligen Treffen kreative und wertschöpfende Gedanken und Ideen auszutauschen?

3. Kultort: Wie und wo erleben Kunden und Mitarbeiter die Kultur einer Marke bzw. des Unternehmens, damit eine ausreichende Kultur sich etablieren kann?

Hybride Arbeitswelt

Der Digitalisierungsschub hat nicht nur die arbeitenden Menschen erreicht, sondern wird in Zukunft auch Unternehmensprozesse zunehmend verändern. So werden beispielsweise Maschinen oder IoT-Technologie zeitraubende Aufgaben übernehmen, sodass das soziale und schöpferische Potential des Menschen woanders besser zum Einsatz kommen kann.

Auch die Frage, welche persönlichen Treffen in Zukunft notwendig sein werden, werde sich laut Franz Kühmayer und Werner Kraus mit der Zeit klären. Denn lokale und mobile Arbeit muss gleichwertig vereint werden, während remote zu managen ganz neue Herausforderungen mit sich bringt.

Urbanität

Die Veränderungen der Arbeitswelt gehen außerdem weit über die Frage hinaus, ob in Zukunft das Büro oder Home Office der neue Arbeitsort sei. Wie wir es während der letzten Jahre bereits deutlich gespürt haben, wird die Welt durch Technologie kleiner und flacher. Mit dem Flugzeug zu einem 1-stündigen Meeting nach Frankfurt zu fliegen, war für viele Führungskräfte vor Corona keine Seltenheit und in vielen Fällen wichtig. Jeden Morgen und Abend 1 Stunde ins Büro und wieder zurückzufahren, wird so mancher Mitarbeiter kaum vermissen und in Zukunft mehr remote arbeiten wollen. Mit den sich verändernden Verbindlichkeiten und Verhältnissen werden sich also auch Dinge wie der Verkehr, die Freizeitgestaltung oder Arbeitszeitmodelle ändern.

Fazit: Die neue Arbeitswelt nach Corona

Die Zuschauerfrage, ob Magenta ins alte oder neue Spiel verfalle, ist eine Frage, die sich für die gesamte Arbeitswelt stellt. Die Antwort von Werner Kraus war wohl ein recht realistischer Blick in die Zukunft. So werde man zum Teil ins Alte verfallen, weil es auch in Zukunft richtig und gut sei. Zum Teil werden aber neue, mutige Wege beschritten, einem Trampelpfad gleich sich abzeichnen und in solide, zukunftsweisende Wege verwandelt werden. Das Alte schaffe sich automatisch ab, indem das Neue geschaffen wird.

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