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14.01.2020     Lena Wostal

Die Firma FT-TEC ist mit ihren Notfall-Lösungen für die Berufsschifffahrt weltweit bekannt. Mit NB-IoT kann das burgenländische Unternehmen seine Rettungssysteme nun auch für den Einsatz am Land weiterentwickeln. Das erste gemeinsam mit Magenta Business realisierte Produkt ist bereits fit für den Markt: Ein Notfall-System für Waldarbeiter. Wie es funktioniert, erklärt der Vertriebsleiter von FT-TEC, Andreas Krejci, im Interview.

Je rascher die Rettungskette funktioniert, desto geringer sind die unangenehmen Folgen des Unglücks. Mit seinem Man-Over-Board-System stellt FT-TEC sicher, dass ein Notfall auf See so rasch wie möglich automatisch gemeldet wird. Die neue, speziell für das Internet of Things konzipierte Mobilfunktechnologie NarrowBand IoT (NB-IoT) ermöglicht es dem Unternehmen nun, Kommunikationslösungen für den Einsatz an Land zu entwickeln. Diese funktionieren selbst an Orten, die mit keinem Mobilfunknetz versorgt werden können. Im Interview erklärt der Vertriebsleiter des Unternehmens, Andreas Krejci, wie der gemeinsam mit Magenta Business entwickelte Emergency Beacon für Waldarbeiter funktioniert und wie FT-TEC mithilfe von NB-IoT das eigene Sortiment erheblich erweitern kann.

Frage: In wenigen Worten: Womit beschäftigt sich FT-TEC, wo liegt Ihr USP und in welchen Märkten ist Ihr Unternehmen tätig?

Andreas Krejci: Die FT-TEC hat zwei Standbeine: Wir bieten einerseits den klassischen Spritzguss von Kunststoffteilen und beliefern die Autoindustrie und Eisenbahnindustrie. Seit dem Jahr 2013 beschäftigen wir uns auch noch mit Elektronik - insbesondere mit der Entwicklung von Notfall-Lösungen. Unsere Kernmärkte sind neben Europa auch die USA und Kanada. Aber unsere Produkte sind weltweit erhältlich und im Einsatz.

Ein Beispiel für eine unserer Notfall-Lösungen ist das Man-Over-Board-System (MOB): Wenn ein Passagier ins Wasser gefallen ist, dann sendet dieses Gerät automatisch die Position an das Schiff. Die FT-TEC ist eines von nur fünf Unternehmen weltweit, dessen Notfallsysteme für die Berufsschifffahrt zertifiziert sind. Wir haben unser Notfallsystem auch zu Tracking-Geräten weiter entwickelt, die auf anderen Frequenzen senden. Damit behält eine Zentrale die Übersicht über den aktuellen Aufenthaltsort von Objekten und Personen.

Frage: Welche Anwendungsmöglichkeiten bieten diese Tracking-Systeme?

Andreas Krejci: In Kanada verwenden Fischer unser System, um ihre Netze wieder zu finden. Die Verwendungsmöglichkeiten sind groß: So behält etwa die Rennleitung bei einer Segelregatta die Übersicht über die teilnehmenden Boote. Oder Taucher können nach dem Auftauchen ihre Position bekannt geben, um sich abholen zu lassen.

Frage: Seit wann und warum setzt FT-TEC auch NB-IoT ein?

Andreas Krejci: Wir beschäftigen uns seit 2018 damit. Die Technologie ist ein wichtiges Add-On für unsere Produkte. Davor haben wir uns auf den Schiffsfunk “Automatic Identification System” (AIS) konzentriert. Unser Sortiment war für die Anwendungen auf dem Meer ausgerichtet. Mit NB-IoT können wir nun Lösungen anbieten, die am Land einsetzbar sind.

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Frage: Bieten Sie bereits fertige Produkte an, die NB-IoT nutzen?

Andreas Krejci: Ja. Unser Emergency Beacon für Waldarbeiter ist bereits zertifiziert und wir beginnen gerade mit dem Roll-Out. Das Notfallsystem nutzt eine Peer-to-Peer-Verbindung und das seit Juni 2018 in ganz Österreich verfügbare NB-IoT-Netz von Magenta Telekom.

Waldarbeiter sind sehr oft an schwer zugänglichen Orten tätig und bisweilen ist dort kein Mobilfunknetz verfügbar. Es ist laut und manchmal haben die Arbeiter keinen Sichtkontakt untereinander. Wenn nun ein Unfall geschieht, dann setzt der Emergency Beacon des Betroffenen automatisch eine Meldung ab. Die anderen Waldarbeiter empfangen den Notruf auf ihren Geräten. Diese reichen die Meldung automatisch so lange weiter (Peer-to-Peer), bis eines davon das FT-TEC Gateway erreicht. Über das NB-IoT-Netz selbst gelangt der Notruf dann in eine Zentrale. Diese kann die Rettungsmaßnahmen dann sofort einleiten.

Frage: Eine Verständnisfrage: Das NB-IoT-FT-TEC-Gateway muss das NB-IoT-Netz empfangen können, sonst funktioniert die Rettungskette nicht - oder?

Andreas Krejci: Das ist korrekt. Aber in der Praxis ist das kein Problem: So belassen die Waldarbeiter das IoT-FT-TEC-Gateway im Fahrzeug, mit dem sie zu ihrer Arbeitsstelle gefahren sind. Um die Rettungskette sicher zu stellen, reicht es schon, dass bloß ein Emergency Beacon mit dem NB-IoT-FT-TEC-Gateway verbunden ist und das ist eigentlich immer der Fall.

Frage: Gibt es weitere Use-Cases für den Emergency Beacon?

Andreas Krejci: Es gibt sehr viele. Damit ist auch eine Notfalllösung für Bergarbeiter möglich. An deren Arbeitsplatz ist in den meisten Fällen kein Mobilfunknetz verfügbar. Einen im Berg abgesetzten Notruf reichen die Emergency Beacons der Bergarbeiter automatisch so lange weiter, bis ein NB-IoT-FT-TEC-Gateway in Reichweite ist.

Frage: Welche Eigenschaften von NB-IoT sind für Ihr Sortiment besonders wichtig?

Andreas Krejci: Die gute Gebäudedurchdringung ist ein großer Vorteil. Denn dadurch ist es auch ohne Peer-to-Peer-Verbindung möglich, ein Signal aus einem Gebäude bzw. sogar aus einem Keller oder durch den Schnee ins Netz zu senden. Damit eignet sich NB-IoT auch für die Lawinen-Rettung: Der Emergency Beacon eines Verschütteten sendet ein Notsignal direkt ins NB-IoT-Netz. Wenn das Signal das Netz nicht erreicht, dann leiten es die Geräte der anderen Teilnehmer der Skitour weiter, bis es in das Netz gelangt. Gemeinsam mit NB-IoT lassen sich unsere Produkte aber nicht nur bei Notfällen einsetzen, sondern wären auch in völlig anderen Bereichen sehr nützlich.

Frage: Welche wären das?

Andreas Krejci: Wir haben durch Studien herausgefunden, dass sich damit Probleme lösen lassen, die insbesondere Veranstalter von großen Konzerten unter den Nägel brennen: Denn dort kommt es häufig vor, dass sich Gruppen nicht mehr zusammenfinden. Wenn etwa eine Person auf die Toilette muss, ist es für sie extrem schwer, wieder zu ihren Freunden zurück zu finden. Denn das Telefonieren ist oft nicht möglich, da das herkömmliche Mobilfunknetz bei Großveranstaltungen meist überlastet und nicht verfügbar ist.

Mit einem Beacon, den der Veranstalter an die Besucher vermietet, kann der Besucher ganz leicht wieder zu seiner Gruppe zurückfinden. Denn die LEDs auf seinem Gerät zeigen ihm die Richtung an. Die Signale dafür werden über das NB-IoT-Netz übertragen. Sollte auch das Netz nicht verfügbar sein, dann kann der Beacon über  andere Frequenzen die Kommunikation abwickeln. Entweder nach dem davor schon beschriebenen Peer-to-Peer- oder nach dem Master-Client-Prinzip. Natürlich eignet sich die Lösung auch für Notfälle.

Frage: Gibt es weitere Vorteile von NB-IoT, die für Ihre Produkte besonders relevant sind?

Andreas Krejci: Durchaus. Um über Schiffsfunk zu kommunizieren, sind relativ große Antennen notwendig. Das ist bei NB-IoT nicht der Fall. Noch dazu können sich NB-IoT und die Peer-to-Peer-Kommunikation eine Antenne teilen. Denn beide nutzen ein ähnliches Frequenzband: NB-IoT verwendet 900 MHz und die Peer-to-Peer bzw. Master-Client-Kommunikation wickeln wir über 869 MHz ab. Dadurch ist es möglich, dass die Emergency Beacons sehr kompakt gebaut werden können.

Frage: Wie wird die FT-TEC künftig NB-IoT nutzen, um Innovationen zu entwickeln?

Andreas Krejci: An der zuvor beschriebenen Lösung für die Lawinen-Rettung arbeiten wir bereits und wir führen gerade entsprechende Feldtests durch. Denn gerade in Österreich sind Berge, Skifahren und Lawinen ein wichtiges Thema. Aber ich bitte um Verständnis, dass wir über anstehende Innovationen nicht viel verraten wollen.

Frage: Seit wann arbeiten Sie als FT-TEC mit Magenta Business zusammen?

Andreas Krejci: Wir kooperieren seit 2018 und wir sind mit der Partnerschaft sehr zufrieden. Der Emergency Beacon für Waldarbeiter ist unser erstes gemeinsames Projekt.

Frage: Wie profitiert die FT-TEC von der Zusammenarbeit?

Andreas Krejci: Das NB-IoT-Netz ist in Österreich sehr gut aufgebaut. Hier scheint Magenta Telekom wirklich der Vorreiter zu sein. Auch die Unterstützung etwa durch SIM-Karten und durch technische Beratung ist vorbildlich. Wenn wir Mitarbeiter wie etwa Stephan Imre anrufen, dann finden diese sehr rasch ein Lösung.

Fazit Notfall-Systeme NB-IoT

Andreas Krejci: Bei einem Unglück muss alles möglichst schnell gehen. Die Kommunikation kann dabei oft über Leben oder Tod entscheiden. NB-IoT kann Notsignale von Orten übertragen, die mit dem klassischen Mobilfunknetz nicht versorgt werden können. FT-TEC kombiniert Peer-to-Peer-Technologie mit NB-IoT. Damit kann das Unternehmen Notfall-Systeme entwickeln, die wirklich überall funktionieren. So wie der gemeinsam mit Magenta Business entwickelte Emergency Beacon.

ad Personam

Andreas Krejci ist Vertriebsleiter von FT-TEC und auch als Produkt- und Zertifizierungsmanager aktiv. Krejci arbeitet seit 2013 für das im burgenländischen Neutal beheimatete Unternehmen, das als NB-IoT-Pionier gilt.

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