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Im aktuellen Diskurs entsteht schnell der Eindruck, dass Covid-19 der Trigger bzw. Auslöser für die digitale Transformation war. In manchen Branchen und Organisationen mag das sogar der Fall sein. Aber genau genommen hat Digitalisierung bereits viel früher seine Potenziale entfaltet, nur wurden diese von nicht von jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer gesehen, nicht verstanden oder einfach bezweifelt. Besonders in diesem Punkt waren sich die Gesprächsteilnehmer des letzten T-Breakfast “Digitalisierung als Gamechanger” vom 23. Februar 2021 vollkommen einig.

Der Gründer, Speaker und Investor Florian Gschwandtner gewährte den Zuschauern gewinnbringende Einblicke in sein Erfolgsrezept für erfolgreiches Unternehmertum im digitalen Zeitalter. Gemeinsam mit Maria Zesch, CCO Business & Digitalisierung, und Andreas Bierwirth, CEO Magenta Telekom, diskutierte er außerdem die Chancen und Herausforderungen digitaler Vorhaben für Österreichs Wirtschaft. Denn viele Unternehmen, die heute und in Zukunft erfolgreich sind, haben bereits vor Corona in Digitalisierung investiert oder holen das spätestens jetzt nach. 

Digitale Schritte haben exponentielle Auswirkungen

Florian Gschwandtner, der Gründer von Runtastic & Leaders21 (2015 von adidas für 220 Millionen gekauft), veranschaulichte die exponentiellen Auswirkungen von digitalem Investment durch einen bemerkenswerten Vergleich. Denn mit 30 linearen Schritten lassen sich rund 30 Meter Distanz überwinden.

Mit 30 exponentiellen Schritten schafft man es 25 Mal um die Welt.

Die enorme Größe und dauerhafte Verfügbarkeit digitaler Lösungen sind kaum greifbar. Ebenso wenig wie die riesigen Veränderungen, die Corona auf die Welt hat und noch haben wird, wie auch Andreas Bierwirth bestätigte. Einigkeit in der entspannten Gesprächsrunde herrschte darüber, dass Digitalisierung alle betreffe. Natürlich seien manche Branchen mehr und andere weniger betroffen, doch am Ende sei die digitale Transformation für jedes Unternehmen relevant. Die Messe- und Eventbranche beispielsweise ist den anhaltenden Veränderungen direkt unterworfen, während die Konsequenzen für produzierende Unternehmen, wie etwa Ottakringer, durch jährliche Messebesuche eher indirekt sind. Beide brauchen in Zukunft eine innovative, digitale Lösung.

T-Breakfast Gschwandtner 2

Digitalisierung als Gamechanger

Bereits in den letzten Jahren und Jahrzehnten war ein Paradigmenwechsel zu beobachten: Skype löste das Telefon ab, analoge Fotografie musste der digitalen weichen, virtuelle Währung wie Bitcoin drängt das Bargeld zurück und Software bzw. Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt zunehmend repetitive Arbeitsschritte. Der digitale Fortschritt hat dabei zunehmend an Fahrt aufgenommen und in den letzten Monaten einen zusätzlichen Digitalisierungsschub bekommen. Während Airlines 64 Jahre brauchten, um 30 Millionen Kunden zu erreichen, gelang dies Computerherstellern bereits in 14 Jahren und die Entwickler von Pokémon Go brauchten nur mehr 19 Tage dafür. 

Florian Gschwandter ging in seiner Keynote auf einige Beispiele ein, wo Digitalisierung bereits zum Gamechanger wurde:

  • Sprache und KI: bei Amazon Alexa arbeiteten bereits 2017 mehr als 5.000 Mitarbeiter
  • KI in der Medizin: anhand der Hornhaut lässt sich beispielsweise das Geschlecht einer Person bestimmen
  • Smart City & Smart Home: intelligentes Waste Management oder intelligente Rasenmäher mit IoT
  • Personalisierung: Kinder malen Tiere aus, die ihnen dank Augmented Reality danach in diesen Farben als Plüschtier zugeschickt werden
  • Obdachlose: in China können Passanten mithilfe eines QR-Codes eine Spende via WeChat machen
  • GPS & Tierliebe: Tractive trackt Hunde und Katzen, um beispielsweise deren Schritte zu überwachen und sie vor Übergewicht zu schützen

Als erfolgreicher Business Angel hat Florian Gschwandtner erkannt, “dass Investitionen kein Zufall sind und Investieren sich lohnt.”

Tipps an Unternehmerinnen und Unternehmer für digitale Vorhaben 

Die Zuschauer des T-Breakfast “Digitalisierung als Gamechanger” erkannten schnell, dass Florian Gschwandtners Empfehlungen nicht nur auf zahlreiche eigene Erfahrungen zurückzuführen sind, sondern auch auf viel Hintergrundwissen im Bereich Entrepreneurship und Leadership (seine Buchempfehlungen sowie sein eigenes Buch finden Sie am Ende dieses Artikels). Folgende Tipps gab der international erfolgreiche Gründer, Investor und Autor österreichischen Unternehmerinnen und Unternehmern für deren digitale Vorhaben:

“Nein” kann sehr motivierend sein

Anhand der Unternehmensgründung von Runtastic & Leaders21 erklärte Florian Gschwandter warum ein Nein sehr motivierend sein kann:
  1. NEIN kann motivieren:
    Jedes Mal, wenn Investoren NEIN sagten, wandelte das Team dieses in ein JA um.
  2. KEIN Geld kann hilfreich sein:
    In 3 Wochen wurde die Runtastic-App (Android & iOS) in 5 Sprachen übersetzt, da User in den jeweiligen Ländern diese im Gegenzug kostenlos nutzen durften.
  3. KEINEN Plan zu haben:
    Ein Plan B bedeutet, dass ich nicht an meinen Plan A glaube.
  4. NEIN ist eine starke Antwort:
    Es braucht oft ein NEIN, um bei den richtigen Dingen JA sagen zu können.
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Daten sind das neue Öl

Digitalisierung wird auch in Bezug auf Daten zum Gamechanger, denn diese gilt es zu sammeln, zu analysieren und zu verstehen. Nur auf diese Weise ist es möglich, wertvolle Erkenntnisse aus der Datenvisualisierung abzuleiten. Nach der Übernahme von Runtastic & Leaders21 durch adidas beispielsweise generierte das Team Daten, um eine Schuhdatenbank aufzubauen und so die Produktion sowie Distribution zu optimieren. Besonders der Blick auf die “Neuen” Daten, wie Florian Gschwandtner sie nennt, ist höchst interessant. Denn die letzten 365 Tage würden mehr über die Zukunft aussagen als Daten der letzten 10 Jahre. 

Great Leadership makes the difference

Wie die gleichnamige Vision von Leaders21 zeigt, möchten Florian Gschwandtner und sein Team modernes Leadership vorantreiben. Das Start-Up bietet daher Trainings, Coaching und Consulting für Unternehmen jeder Größe an. 

  • Together everybody achieves more: Es braucht Führungskräfte, die Entscheidungen treffen, aber moderne Unternehmen leben davon, dass sie als Team funktionieren.
  • Leading from the inside:
    Modernes Leadership bedeutet von innen heraus zu führen, d.h. vom Ich über den Mensch hin zur Organisation.
  • Find a purpose:
    Der Zweck kann 4 Dimensionen haben: materielle, soziale, immaterielle und kreative Werte.
  • Zielsetzung ist essentiell:
    Ziele-Sheets mit verschiedenen Faktoren wie Gesundheit, Karriere, Liebe oder Spaß helfen dabei diese für sich und sein Team zu visualisieren und regelmäßig kritisch zu betrachten.
  • Sei ein proaktiver Gestalter deines Lebens und arbeite an deiner persönlichen Entwicklung
    Hierbei helfen 3 Konzepte wie The Golden Circle (Why? How? What?), Circle of Influence (Proaktive vs. reaktive Einstellung) und 4-Felder-Matrix (dringend & wichtig vs. nicht dringend / nicht wichtig).

Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung

Im zweiten Teil des T-Breakfast bei Magenta Business diskutierten die Gesprächsteilnehmer wie immer relevante Thesen rund um Digitalisierung und beantworteten die Fragen der Zuschauer, die sich auch dieses Mal aus zahlreichen kleinen und großen Unternehmen in Österreich zuschalteten. 

Analog versus digital

Je mehr über Digitalisierung gesprochen wird, desto mehr stellen sich vor allem analog agierende Unternehmen die Frage, wie sehr sie sich dem digitalen Trend öffnen müssen. Umso mehr, wenn sie wie beispielsweise der Bierproduzent Ottakringer beliebte Produkte erfolgreich verkaufen und dies wahrscheinlich auch in Zukunft tun werden: “Denn Bier wird immer getrunken”.

Für Maria Zesch steht außer Frage, dass diese analog produzierenden Unternehmen auch weiterhin mit tollen Angeboten überzeugen werden und Magenta Business keine besseren Produkte als seine Kunden herstellen kann. Aber die Gesprächsteilnehmer rund im die CCO des Digitalisierungskonzerns sieht für einen analogen Produzenten wie Ottakringer in Zukunft ganz neue digitale Chancen:

  • höhere Agilität und schnellere Reaktion auf Trends mithilfe der Datenauswertung, z.B. in Bezug auf neue Radler-Sorten
  • ressourcensparende Produktion dank intelligenter Prozessoptimierung, z.B. durch Robotics und IoT bei der Füllstandsmessung
  • bessere Prävention vor Disruption, da sich das Kaufverhalten heute schneller ändert als früher, z.B. ist der Konsum von Schweinefleisch deutlich zurückgegangen nachdem dieses in sozialen Medien stark kritisiert wurde
  • einfacher Weg für neue Geschäftsmodelle, z.B. nachhaltige Co2-Messungen in Schulen dank IoT-Luftgütemessung
Top down versus Bottom-Up

Wie die letzten Jahre gut zu beobachten war, sind die jüngeren Generation stets versierter gewesen im Umgang mit neuen Technologien. Kein Wunder also, dass beim T-Breakfast “Digitalisierung als Gamechanger” die Frage aufkam, ob die Zukunft eher Top-Down oder Bottom-Up gedacht werden sollte. Auch hier herrschte Einigkeit zwischen Maria Zesch, Andreas Bierwirth und Florian Gschwandtner. Es sei wichtig, das digitale Know-How zu aktivieren und Raum für wichtige Kompetenzen zu schaffen. Obwohl modernes Leadership neu gedacht werden müsse, brauche es dennoch eine Führungsebene, die wichtige Entscheidungen trifft, z.B. welche Kernthemen die digitale Transformation im Unternehmen bestimmen sollen. 

Sicherheit versus Investition

Verpasste Chancen gehören auch zu einem großen Unternehmen wie Magenta Business, wie Andreas Bierwirth verdeutlichte. So hat vor einigen Jahren niemand das Potential einer Investition in WhatsApp gesehen oder verstanden. Als das Verstehen einsetzte, war es bereits zu spät, denn der Telekommunikationsanbieter konnte sich WhatsApp nicht mehr leisten und ein alternativer Messenger-Dienst blieb erfolglos. 

Auch Maria Zesch versteht die Diskrepanz zwischen Investitionsbereitschaft und -zögern sehr gut. Besonders das Thema Security ist eine enorme Herausforderung für Digitalisierungsvorhaben. In Zukunft werde es ein Kernthema sein, dem sich Unternehmer besser früher als später annehmen. 

Glück versus harte Arbeit

Als die Gesprächsrunde von einem Zuschauer nach der Rolle des Glücks gefragt wurden, antworteten die drei erfolgreichen Unternehmer und Manager ehrlich und ganz unterschiedlich:

  • “Glück gehört dazu, aber Glück lässt sich auch erzwingen [...] das Timing ist wichtiger, Glück kann man durch harte Arbeit erzwingen.”
    Florian Gschwandtner
  • Es gibt Phasen, da hast du Glück. Und es gibt Phasen, da hast du Pech. [...] Als angestellter Manager musst du das Glück zur richtigen Zeit haben, als Eigentümer musste du schlichtweg durchhalten.”
    Andreas Bierwirth
  • “Man ist seines Glückes Schmied. [...] Man kann sehr viel selbst dazu tun.”
    Maria Zesch

Fazit: Digitalisierung als Gamechanger

Am Ende des T-Breakfasts “Digitalisierung als Gamechanger” konnten leider nicht alle Zuschauerfragen beantwortet werden, aber die Gesprächsrunde kam zu einem einstimmigen Abschluss: Wer den Weg der digitalen Transformation geht, wird seine eigene Firma in wenigen Jahren kaum mehr wiedererkennen. Die Investition in Digitalisierung wird sich in in jedem Fall lohnen. 

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Buchtipps:

The Big Five for Live: Was wirklich zählt im Leben, John Strelecky, dtv 2019

7 Habits of Highly Effective People, Stephen R. Covey, Free Press 2004

Factfulness, Hans Rosling, Sceptre 2018

So läuft Start-Up: Mein Leben, meine Erfolgsgeheimnisse, Florian Gschwandtner, Matthias Bernold, Ecowin 2018

Die Zukunftsrepublik: 80 Vorausdenker*Innen springen in das Jahr 2030, Marie-Christine Ostermann, Campus Verlag 2021

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