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09.10.2019     Kerstin Klatt

„Wir freuen uns, Sie beim ersten T-Breakfast unter der Marke Magenta zu begrüßen, der Name ist von vielen positiv aufgenommen worden“ – so eröffnete Maria Zesch, CCO Business & Digitalization das T-Breakfast am 3. Oktober in der Säulenhalle des MAK. Das Museum für Angewandte Kunst bot im Rahmen der Vienna Biennale den festlichen Rahmen, um über das Thema „Österreichs Zukunft in einer digitalen Welt“ zu sprechen.

Rund 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, die mit einer Keynote von Margarete Schramböck begann, dann nutzte das Publikum die Chance, der Managerin und ehemaligen Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Fragen zu stellen. Anschließend zeigte B2B Bereichsleiter Werner Kraus von Magenta schon heute realisierte Lösungen nach dem Motto: Sie brauchen nicht zu warten…

Um ein Standort für Innovation und erfolgreiches Wirtschaften zu sein, benötigt Österreich als Basis eine moderne digitale Infrastruktur, betonte Margarete Schramböck zu Beginn ihrer Keynote. Aktuell befindet unser Land sich nur im Mittelfeld, daher sei der Ausbau von 5G und Glasfaser enorm wichtig. „Aber 5G brauchen wir nicht zum Telefonieren, so wie ich das in Kitzbühel diskutiert habe, sondern im B2B, damit Unternehmen gleiche Chancen haben“, berichtete Schramböck von Eindrücken auf ihrer Tour durch Österreich.

 

 

T-Breakfast Magenta MAK 03.10.2019 from LEADERSNET tv on Vimeo.

Infrastruktur schafft Wirtschaft und Leben in allen Regionen

20% beträgt der Anteil an Industrieunternehmen in unserem Land. Sie bringen den Wohlstand auch in ländliche Regionen, aber dazu bedarf es der Digitalisierung. Ein Erfolgsbeispiel mitten in den Bergen ist der Produzent von traditionellen Speckspezialitäten Handl Tyrol; das Unternehmen hat mit dem Fraunhofer Institut seine Prozesse redesignt und modernisiert, um im Wettbewerb mithalten zu können. Diese „Landschaft“ an KMU sei bei uns ganz speziell, während es etwa in Südkorea fast ausschließlich große Konzerne gibt und in den USA konzentrieren sich die digitalen Unternehmen in den Städten.

80% der Unternehmen Österreichs sind KMU – nannte Schramböck die nächste Zahl, auf die sie ein Augenmerk legt. Denn diese kleinen und mittleren Unternehmen müssen in die Digitalisierung mitgenommen werden, etwa mit dem Programm KMU Digital: In der ersten Stufe bietet es Beratung, noch wichtiger wäre aber eine Anschubfinanzierung. Als Erfolgsbeispiel berichtete sie von einer Tischlerei, die nach der Umstellung auf Digitalisierung den Mitarbeiterstand von 10 auf 80 steigern konnte.

T-Breakfast digitale Welt (1)

Digitalisierung und Gesellschaft bedeutet lebenslanges Lernen

All das gelingt nur, wenn die Menschen digitale Kompetenzen aufbauen können und zwar vor, während und nach dem Berufsleben. Jeder, von den Kleinsten im Kindergarten über Schule bis zur Uni soll digitale Kompetenzen erwerben. Schramböck möchte besonders auch die Lehre diesbezüglich fördern, so seien etwa Friseur- oder Dachdeckerlehre mit digitalen Inhalten neu überarbeitet worden. „Vor einem Jahr haben wir den Lehrberuf e-commerce eingeführt und heute haben wir mehr als 300 Lehrlinge, die in diesen Berufen arbeiten. Außerdem ist der Anteil der Frauen um 40% gestiegen“, freute sich Schramböck. Sie denkt auch schon an den nächsten Lehrberuf, nämlich für AI.

Im Beruf selbst werden die digitalen Ausbildungsmaßnahmen zum Großteil von den Unternehmen übernommen. Einen Bildungsschwerpunkt sah Schramböck bei den Seniorinnen und Senioren, sie sollen nicht zurückbleiben. Österreich liege bei der sozialen Inklusion dieser Altersgruppe im Vergleich weit zurück, die Plattform „fit4internet“ ist eine Initiative, mit welcher der Anschluss wiederhergestellt werden soll.

Auch die Verwaltung muss sich transformieren

„Beamte sollen nicht vor meinen Augen ein Formular ausfüllen“, beschrieb Margarete Schramböck, wo die Reise in der Verwaltung ihrer Meinung nach hingehen soll. Die Behörden sollen Zeit für die Bürger haben. Automatisierung und Digitalisierung werden umso wichtiger, wenn nur jede 3. Stelle bei Abgängen nachbesetzt werde, die Servicequalität aber gleichzeitig steigen soll.

Ein wichtiger Ansatz ist das „Once-Only-Prinzip“, das von der EU forciert wird und Schramböck erklärte, was damit gemeint ist: „Unternehmen sollen Informationen nur einmal zur Verfügung stellen. Aber bei uns ist das Gegenteil der Fall, wenn eine Firma übersiedelt, muss sie 7 Behörden informieren.“ Laut der Idee von Once-Only soll das Unternehmen künftig seine Daten in eine digitale Box stellen und die einzelnen Behörden holen sich ihre benötigten Infos heraus. „Nicht mehr Vater Staat regiert, sondern der Staat soll als Dienstleister auftreten“, betonte Schramböck und belegte mit Zahlen, dass das heute noch nicht so ist. Denn in Österreich gibt es pro Jahr 230 Millionen Meldeverpflichtungen, dabei füllen die Mitarbeiter in den Unternehmen im Durchschnitt 55 Felder pro Meldung aus und das verursacht 4,2 Mrd. € Kosten jährlich.

Diskussionsthemen: Verwaltungsreform, Ängste, Once-Only und 5G Ambitionen

Die Fragerunde eröffnete Maria Zesch, nach Best Practice Beispielen, wo Digitalisierung in der Verwaltung helfen kann. Margarete Schramböck hat die Vision, dass die Lebenssituation der Bürger abgebildet werden soll: Anstatt meine Informationen mühsam in diversen Spezialportalen zu suchen, soll ich angeboten bekommen, was ich benötige.

Führt die Verwaltungsreform dazu, dass Berufsgruppen wie Notare weniger Aufträge bekommen, lautete die nächste Frage aus dem Publikum. Schramböck berichtete, dass es beim Abbau von Bürokratie Diskussionen mit vielen Stakeholdern gibt, die oft überraschend verlaufen: „Ich habe vorgeschlagen, die Anlagengenehmigung abzuschaffen. 50% müssen laut EU-Verordnung genehmigt werden, aber beim Rest ohne Verordnung, der also keine Genehmigung braucht, gab es Proteste, zum Beispiel sagten mir Unternehmer: Dann bekomme ich ja keinen Bescheid mehr.“ Es müsse also ein allgemeines Umdenken beginnen, war ihr Resumé.

Die Ängste der Menschen vor der Digitalisierung, hervorgerufen durch Riesen wie Amazon mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen und Steuervermeidung war eine Sorge, die herangetragen wurde. Hier sah Schramböck einerseits die Angst der heimischen Handelsunternehmen vor dem Geschäftsmodell. Sie sprach sich für eine Digitalsteuer aus und dass der Staat Österreich und die EU die Rahmenbedingungen schaffen müssen, etwa mit einem neuen Wettbewerbsrecht. Die zweite Angst betrifft das persönliche Zurückbleiben und die Sorge um steigende Arbeitslosigkeit; wobei laut einer Metastudie 50% der Studien besagen, dass Arbeitsplätze mit der Digitalisierung verschwinden und 50%, dass mehr entstehen. Schramböck selbst dazu: „Das Fräulein vom Amt gibt es nicht mehr. Aber in den 1950er Jahren gab es 3000 davon und heute arbeiten 300.000 Menschen im Bereich IT und Telekom.“

Wann Once-Only eingeführt wird, wollte ein Unternehmer wissen. Schramböck verwies darauf, dass man die 10 wichtigsten Prozesse definiert hatte, wie Übersiedeln oder Lehrlinge. In der nächsten Regierung, wo sie als Ministerin gerne wieder Verantwortung übernehmen wolle, könnten dann sukzessive solche Prozesse eingeführt werden.

Auf die abschließende Frage nach ihren Ambitionen betreffend 5G betonte Schramböck, dass Österreich kein Land der Massenproduktion ist: „Wir brauchen beste Köpfe und Innovation, um uns zu differenzieren. Daher müssen wir den Standort weiterbringen, ich sehe das als Aufgabe gegenüber der jungen Generation.“

T-Breakfast digitale Welt (3)

(Werner Kraus, Margarete Schramböck und Maria Zesch)

Infrastruktur braucht langen Atem und internationale Vernetzung

Auch Werner Kraus, SVP Business & Wholesale bei Magenta Telekom, begann mit dem Beispiel eines Unternehmens, das im Wettbewerb erfolgreich auf Digitalisierung gesetzt hat. Ein Anlagenbauer und Schaltschrankproduzent für Kraftwerke oder Spitäler setze auf hochgradig digitale Prozesse etwa bei CAD-Systemen, um in Losgröße 1 produzieren zu können.

Magenta sieht es als Aufgabe, diese digitale Infrastruktur zu schaffen. Heute erwarte jeder überall Internet, aber dass dies schwierig ist, beweise der Blick 20 Jahre zurück, denn es gab bereits 4 Mobilfunkgenerationen in dieser kurzen Zeit. „Jedes Mal werden bei solchen Investitionen Wetten auf die Zukunft abgeschlossen. Es braucht dafür große Unternehmen mit langem Atem und so sind wir froh, dass Magenta Teil der Deutschen Telekom ist, wir profitieren von Know-how und finanziellen Ressourcen“, erläuterte Kraus. Natürlich müsse sich Österreich auch entsprechend als Land in der Telekom Gruppe positionieren und man sei stolz, dass 53 der heimischen Top 100 Unternehmen auf Magenta vertrauen.

Ein wichtiger Grund für dieses Vertrauen ist die Vernetzung, denn fast jedes erfolgreiche KMU expandiert in die österreichischen Nachbarländer oder noch weiter. Kraus hob hervor, dass Magenta mit globalen Allianzen an jedem Punkt der Welt Access Points zur Verfügung stellen kann, die von Österreich aus gemanaged werden.

T-Breakfast digitale Welt (2)

Der digitale Weg von Evolution zu Revolution

Die Entwicklung der Digitalisierung lässt sich für Kraus an Hand der englischen Begriffe besser erklären, weil es hier Unterscheidungen gibt.

Digitization: Es begann damit, dass analoge Informationen digital wurden, etwa indem Daten in Formulare eingetippt und dann gespeichert werden. Diese evolutionäre Phase ist im Laufen, aber weit vorangeschritten.

Digitalization: Analoge Prozesse werden automatisiert, also digitalisiert, z.B. die Steuerung der Produktion oder Logistik. Hier ist Magenta stolz, in Österreich das Competence Center der Telekom Gruppe für IoT (Internet of Things) und M2M (Maschine zu Maschine-Kommunikation) zu haben. Diese evolutionäre Phase ist im Gang.

Digital Transformation: „Hier passiert die Revolution mit völlig neuen Produkten“, erklärte Kraus mit einem Beispiel: Ein englisches KFZ-Versicherungsunternehmen wisse über in den Autos eingebauten Sensoren, wie stark der Fahrer Gas gibt oder bremst. Je nach Fahrweise – und Risiko - werde danach die Prämie berechnet. - Bei diesem Beispiel war dann einiges kritisches Murmeln im Saal zu hören.

5G und IoT – nicht warten, sondern starten

1,4 Gigabit pro Sekunde – dieser Wert sei mit 5G bei Labortests erreicht worden, ließ Kraus aufhorchen. Wobei es im echten Netz natürlich niedrigere Wert sein werden. Das Potenzial der fünften Mobilfunkgeneration liege in hohen Geschwindigkeiten, Zuverlässigkeit und niedrigen Latenzzeiten. Das WLAN gerate bei Industrieanwendungen mit IoT an seine Grenzen, Abhilfe werden künftig sogenannte Campus-Netzwerke mit 5G schaffen, wo nur die eigenen Mitarbeiter und Maschinen sich einbuchen können.

Doch Unternehmen brauchen nicht auf 5G zu warten, um IoT Anwendungen umzusetzen. Kraus betonte das breite Portfolio von Magenta und kam nochmals auf das Competence Center für das Internet of Things zurück. Von Österreich aus werden auch internationale Kunden wie die Reederei Hapag Lloyd betreut, wo Endkunden mittels trace & track ihr Ladegut in den Containern mitverfolgen können, etwa ob die Temperatur während des ganzen Transports konstant bleibt.

Paradekunde aus Österreich ist die Zotter Schokolademanufaktur, wo mittels IoT die Temperatur der Schokolade im gesamten Produktionsprozess gemessen und gesteuert wird. Ein ganz neuer Kunde ist die Stadt Wien, mit der eine IoT Plattform für Smart City aufgesetzt werden soll.

Zum Abschluss nannte Werner Kraus eine entscheidende Kennzahl: „Magenta hat ein umfassendes Portfolio von Festnetz bis 5G und investiert in den Ausbau der Netze ca. 250 Mio. € pro Jahr, das sind jeden Arbeitstag 1 Million Euro.“

Fazit T-Breakfast: Österreichs Zukunft in einer digitalen Welt

Als Land der mittelständischen Industrieunternehmen benötigt der Standort Österreich Innovation, die besten Köpfe und digitale Vernetzung – darin waren sich beide Vortragende einig. Für Margarete Schramböck sind lebenslange Bildung und eine moderne schlanke Verwaltung zukunftsentscheidend. Werner Kraus stellte dar, wie das IoT Competence Center Unternehmen auf dem Weg der digitalen Transformation unterstützen kann.

Die Fragen spiegelten die Realität wider, von 5G über Warten auf die Verwaltungsreform bis zu den Ängsten der Menschen sowie der KMU, in der digitalen Welt nicht mitzukommen. Daher ist es wichtig, dass in Veranstaltungen wie dem T-Breakfast die Möglichkeit besteht, sich zu informieren und Fragen oder Bedenken zu äußern. Das wurde beim anschließenden Networking auch intensiv weiter genutzt.

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