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Telefonieren per Freisprecheinrichtung und Navigieren, wenn das Smartphone in einer Halterung befestigt ist - mehr soll ein Autofahrer mit seinem Smartphone nicht tun dürfen. Dies sieht eine Novelle zum Kraftfahrzeuggesetz (KFG), die den Umgang mit Smartphones im Auto regeln soll, und zwar klarer als bisher.

Bis jetzt kannte das KFG mit Stand 1999 den Begriff „Smartphone“ gar nicht. Tätigkeiten wie SMS- und E-Mail-Schreiben, bzw. Social-Media- oder WhatsApp-Account Checken waren dem Gesetz also unbekannt, und deshalb nur „eigentlich“ und nicht ausdrücklich verboten.

Gesetzgeber will Unfälle vermeiden

Mit dieser Novelle wollen die Regierungsparteien nicht nur dem Smartphone am Steuer ein legistisches Kleid geben, sondern in erster Linie die Unfallzahlen senken. Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) ereigneten sich im Jahr 2014 fast 13.000 Unfälle mit Personenschaden, weil zumindest ein Verkehrsteilnehmer abgelenkt war. 111 Menschen starben dabei. Bei 430 Verkehrstoten insgesamt ist diese Zahl äußerst hoch.

Wien: Ablenkung ist Unfallursache Nummer Eins

Auf den Straßen von Wien ist Ablenkung die Hauptunfallursache geworden. Ob Auto-oder Radfahrer, aber auch Fußgänger: Viele unterschätzen die Gefahren, die sich durch Ablenkung im Straßenverkehr ergeben. Um das Bewusstsein für die Verkehrsteilnehmer zu schärfen, hat das KfV die Online-Plattform www.ab-gelenkt.at realisiert. Dort können Sie in die Rolle verschiedener Verkehrsteilnehmer schlüpfen und die Handlung sowie das Ende der Geschichte selbst beeinflussen.

Smartphone am Steuer ist in Österreich weit verbreitet

Wie groß das Problem der Ablenkung durch das Smartphone beim Autofahren bereits ist, zeigen verschiedenste Statistiken: Laut KfV tätigen Österreichs Autofahrer 900.000 Telefonate ohne Freisprecheinrichtung und schreiben 200.000 SMS während der Fahrt. Laut einer 2013 in Deutschland durchgeführten Untersuchung verwenden junge Fahrerinnen und Fahrer ihr Smartphone während der Fahrt besonders gerne: In der Gruppe der Unter-35-Jährigen tun dies mehr als ein Drittel (34 Prozent). In der Gruppe 50plus greifen nur acht Prozent zum Smartphone, während sie ein Kraftfahrzeug lenken. Laut einer Erhebung des ÖAMTC aus dem Jahr 2012 telefoniert in Österreich jeder zehnte Lenker eines Kraftfahrzeugs auch auf belebten Straßen ohne Freisprecheinrichtung.

Blindflug durch Smartphone am Steuer

Smartphone-Nutzer setzen sich selbst und andere durch ihr Verhalten aber großen Gefahren aus: Das Unfallrisiko von Handy-Lenkern, die keine Freisprecheinrichtung verwenden, ist zirka fünf Mal höher als bei Nicht-Telefonierern. Wer sich durch ein Telefonat oder das Verfassen einer SMS vom Fahren ablenken lässt, benötigt bis zu 5 Sekunden länger, um eine Gefahrensituation zu erfassen und zu reagieren. In einer Presseaussendung meint Dr. Othmar Thann, Direktor des KfV dazu: „Abgelenkt zu sein, ist wie mit geschlossenen Augen zu fahren. Wenn man mit 50 km/h nur eine Sekunde lang nicht auf die Straße achtet, legt man fast 14 Meter im Blindflug zurück und kann dann oft nur verzögert reagieren.“

SMS schreiben verschlechtert Fahrleistung und treibt Puls in die Höhe

Wie stark das Schreiben von Kurznachrichten die Kraftfahrzeuglenker ablenkt, hat das Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung heuer bei einer Simulationsstudie untersucht: Die 54 Versuchspersonen im Alter zwischen 24 und 65 Jahren mussten dabei drei Fahrtbedingungen zuerst einüben und dann absolvieren: Zuerst konzentrierten sich die 28 Frauen und 26 Männer voll auf das Autofahren, dann bearbeiteten sie während der Fahrt eine SMS einmal manuell und dann sprachgesteuert.

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Die Tester erhoben dabei die Fahrleistung der Probanden, ihre subjektive Beanspruchung und die Herzfrequenz. Das Ergebnis: Egal ob die Testpersonen während der Fahrt ein SMS manuell oder sprachgesteuert bearbeiteten: Ihr Fahrleistung verschlechterte sich signifikant, und die subjektive Beanspruchung sowie ihre Herzrate stiegen an. Daran ändert auch viel Übung nichts. Wie schnell und fatal das Lesen eines SMS während der Autofahrt sein kann, zeigt auch eine Werbeaktion von Volkswagen.

Auto als mobiles Büro

Gerade für Berufstätige, die viel unterwegs sind, ist es sehr verlockend, das Auto als mobiles Büro zu nützen. Auch Sie werden es schätzen, dass eine Autofahrt für wichtige Anrufe geradezu ideal ist: Hier haben Sie Zeit und meist auch Ruhe, sofern es das Verkehrsgeschehen zulässt. Das Smartphone im Auto können Sie aber auch völlig legal und sicher für sich und andere Verkehrsteilnehmer nutzen. Ein paar technische Geräte und gute Organisation machen dies möglich:

Smartphone am Steuer braucht den richtigen Halt

Damit Sie Ihr Smartphone als Navigationsgerät nutzen dürfen, muss es sich in einer Halterung befinden. Kommt die Novelle des Kraftfahrzeuggesetzes so wie geplant, muss sich diese Halterung an der Windschutzscheibe befinden. Übrigens: Mit einigen Handgriffen lassen sich auf Smartphones installierte Navi-Apps auch für die speziellen Bedürfnisse im Auto einrichten.

Viele Lösungen fürs freie Sprechen

Hier haben Sie die Wahl zwischen mehreren, gesetzeskonformen Lösungen. Das in einer Smartphonehalterung befindliche Gerät auf Lautsprecher zu schalten, ist die günstigste Form der Freisprecheinrichtung. Bluetooth-Freisprechanlagen, die sich teilweise über Sprache steuern lassen, sind eine komfortablere, aber teurere Lösung. Autoradios, die sich automatisch beim Drehen des Zündschlüssels mit dem Smartphone via Bluetooth verbinden, sind ebenfalls eine Alternative. Eine fix in das Fahrzeug eingebaute Freisprecheinrichtung samt Außenantenne bieten meist eine bessere Sprach- und Empfangsqualität. Ein simples Bluetooth Headset hat zwar den Nachteil, dass Sie ein Gerät am Ohr tragen. Damit müssen Sie allerdings einen Telefonanruf nicht unterbrechen, wenn Sie Ihre Fahrt beendet haben und Ihr Auto verlassen.

Damit dem Smartphone am Steuer nicht der Saft ausgeht

Eine niedrige Ladestandanzeige kann Stress beim Benutzer eines Smartphones hervorrufen. Betrachten Sie deshalb Autofahrten immer als gute Gelegenheit, die Akkus Ihres Gerätes voll aufzuladen. Einzige Voraussetzung dafür sind ein Fahrzeug mit Zigarettenanzünder und ein KfZ-Ladegerät. Mithilfe einiger Modelle lassen sich auch gleich mehrere elektronische Geräte wie Tablet, Laptop usw. aufladen.

Arbeiten Sie in der Pause

Längere Autofahrten sollten Sie unbedingt mit ein paar Pausen unterbrechen. Die erste kurze Fahrtunterbrechung empfiehlt sich schon nach einer Stunde Fahrt. Je weiter die Reise, desto längere Pausen sollten Sie auch einplanen: Nach drei Stunden Fahrt sollten es zehn Minuten, nach fünf Stunden bereits 20 Minuten sein. Wichtige SMS oder E-Mails können Sie in diesen Pausen beantworten. Denn Müdigkeit oder gar Schläfrigkeit ist so wie Ablenkung eine unterschätzte Ursache für Verkehrsunfälle.

Fazit Smartphone am Steuer

Der Drang, das Smartphone bei Ertönen eines Signaltons oder eines Vibrationsalarms in die Hand zu nehmen, ist für uns alle groß. Wenn Sie am Steuer sitzen, müssen Sie der Verlockung aber widerstehen. Denn das Handy während der Fahrt in die Hand zu nehmen, um lediglich die Urzeit abzulesen, ist gesetzeswidrig und kann für Sie und andere Verkehrsteilnehmer lebensgefährlich sein.

Wenn Sie Ihre Gewohnheiten etwas ändern, und zudem noch in ein paar Geräte wie Smartphonehalterung, Freisprecheinrichtungen und Ladegerät investieren, dann können Sie Ihr Smartphone auch als Autofahrer sicher und gesetzeskonform während der Fahrt nutzen. Lassen Sie sich nur nicht vom Wichtigsten ablenken. Das Verkehrsgeschehen rund um Sie herum.

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