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28.09.2021     Lena Wostal

Parkplatzsuche nervt, braucht Zeit und belastet die Umwelt. Parkende Autos verstellen viel Platz in Ballungsgebieten. Wie kann das besser werden? Im Mobility Talk, veranstaltet gemeinsam von der GSV - Die Plattform für Mobilität und Magenta Business, wurde „Die Zukunft des Parkens“ aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert und digital unterstützte Lösungsansätze vorgestellt.

Öffentlichen Raum neu verteilen

„Der Ruf nach einer Neuverteilung und Neugestaltung des öffentlichen Raums ist allgegenwärtig“, sagte Moderator Mario Rohracher, Generalsekretär des GSV - Die Plattform für Mobilität, in seinem einleitenden Statement. Unser Mobilitätsverhalten ändere sich, auch durch alternative Fortbewegungsmittel wie e-Scooter.

Seine These sei jedoch, dass wir noch länger mit Privatautos in der Stadt fahren und er wies darauf hin, dass vor allem gewerbliche Fahrzeuge ihren Platz brauchen. Wie man diese Nutzungskonflikte in Städten auflösen und auch den Pendelverkehr bewältigen kann, welche Rollen Garagen spielen und was die Digitalisierung leisten kann, darüber solle diskutiert werden.

Mobility Talk: Die Zukunft des Parkens – Event hier nachsehen

Differenzierte Sichtweisen bei Smart City

In seinem Impuls-Vortrag stellte Ewald Kiss, VP IoT bei Magenta Telekom, Marktforschungsergebnisse zu Smart City vor. Diese habe Magenta Telekom beauftragt, um zu verstehen, welchen Bedarf die einzelnen Interessensgruppen sehen und der ist durchaus verschieden: Während Städte und Gemeinden beim Begriff „Smart City“ an Technik und Digitalisierung denken, will die Bevölkerung damit die Lebensqualität steigern.

Ewald Kiss_Mobility Talk_Die Zukunft des Parkens

„Den Bürgern ist die Technologie egal, sie wollen wissen, wie sie die Smart City für ein besseres Leben nutzen können. Bürgermeister sorgen sich dagegen um den Standort, Breitbandanbindung wird so wichtig wie Strom oder Wasserversorgung“, fasste Kiss zusammen.

Smart Parking: Wo beginnen und Förderungen

Das Thema Smart Parking ist Teil der Smart City und damit beschäftigt sich Magenta Telekom seit 2017: vor dem T-Center in Wien zum Beispiel wurde ein NB-IoT-Showcase bzw. eine Anwendung für Parkraumbewirtschaftung getestet. Laut Kiss fragen sich viele Gemeinden, wo sie beginnen sollen, denn es gibt viele Möglichkeiten wie Sensoren oder Videolösungen zum Ermitteln freier Parkplätze, Apps zum Anzeigen freier Plätze und Verrechnen von Gebühren oder Berechtigungssysteme, die mit Ausweis oder Kennzeichenerkennung arbeiten.

„In jedem Gespräch ist Smart Parking ein Thema und wir können mit viel Erfahrung dazu beraten. Aufmerksam machen möchte ich auf die Förderungen, diese werden derzeit kaum abgeholt, daher begleiten wir auch bei der Förderungsdurchführung“, bot Kiss Unterstützung an.

Lenkungsmaßnahme zum Wohle der Stadtbewohner

Die erste Frage der Podiumsdiskussion ging um die Organisation des ruhenden Verkehrs. Markus Raab, der als Leiter der MA46 für alles zuständig ist, was sich rund um das Thema Verkehr in Wien dreht, hat hierfür ein klares Konzept: Die Parkplatzbewirtschaftung, die er als erweitertes Synonym für das Kurzparkzonen-System hält, wird mit 01.03.2022 in Wien flächendeckend als Kurzparkzone eingeführt.

Damit einher geht die klare Empfehlung, das Auto zu Hause zu lassen und die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Schließlich ist es die Grundidee der Kurzparkzone, Bewohnern eines Bezirks eine reelle Chance auf einen Parkplatz zu bieten und den Pendlerverkehr zwischen den Bezirken zu reduzieren. Dieser Lenkungseffekt entspricht einer sanften und nachhaltigeren Mobilität zum Wohle der Stadtbewohner.

Moderne Parkraumgestaltung

Bernhard Wiesinger, Leiter Konsumentenschutz und Mitgliederinteressen ÖAMTC, äußert sich hingegen kritisch zur Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung in Wien und meint, dass nicht alle Mobilitätsbedürfnisse mit dem öffentlichen Verkehr abzudecken sind: „In Städten haben wir die Situation, dass Parkplätze für Bewohner geschaffen werden müssen, aber - da Wohnraum in Städten oft nicht mehr leistbar ist - auch für Pendler und Besucher. Das Modell der Kurzparkzone ist keine Parkraumlösung für die Bewirtschaftung einer ganzen Stadt. Da muss uns etwas Besseres einfallen und dafür braucht es politische Zusammenarbeit.“

Zudem ist derzeit eine Art kleine Stadtflucht in den Speckgürtel zu beobachten. Dazu kommt die Steigerung des E-Commerce, die den Handel in der Innenstadt bedroht. Individualverkehr ist daher ein unerlässlicher Partner des öffentlichen Verkehrs zur Erreichbarkeit der Zielorte. „Wir müssen alle Wege optimieren und verflüssigen, mit dem Ziel, urbanen Raum zurückzugeben“, so Johann Breiteneder, CEO von Best Parking sowie von zahlreichen Immobilienfirmen, der aktuell die Parkgarage am Neuen Markt realisiert.

Mobility Talk_Die Zukunft des Parkens_21092021

„Parkraum an der Oberfläche und öffentlicher Raum in den Städten sind limitiert, hier muss ein Lenkungseffekt in Garagen erfolgen, um den öffentlichen Raum für bessere und höherwertige urbane Funktionen, wie Fußgänger- und verkehrsbezogene Zonen, Baumpflanzungen und alternative Mobilitätswege freizubekommen. Das verflüssigt und kanalisiert den Verkehr und verbessert in weiterer Folge das städtische Klima.“

Innovative Konzepte der Zukunft der Mobilität

„Es wird ein Echtzeit-Verkehrsinformationssystem in Zusammenarbeit mit dem ÖAMTC geben, denn als Stadt Wien wollen wir den Verkehr sinnvoll und nachhaltig umweltschonender gestalten“, ergänzt MA46 - Leiter Markus Raab. Dem stimmt auch Wiesinger zu: „Unsere Vision dieser elektronische Parkraumbewirtschaftung im öffentlichen Raum beruht auf einer gemeinsamen Datenbasis“. Und in noch einem Punkt sind sich die Diskutanten einig: die politische Verantwortung. Sie fordern, dass gemeinsam Lösungen für diese immanent politischen Themen gefunden werden.

Fazit: Es braucht Koordination und Moderation

Die Diskussion mit Fragen aus dem Publikum zeigte ebenfalls, dass es viele unterschiedliche Interessen gibt. Da fielen Stichworte wie Parktourismus, Parkmöglichkeiten für Unternehmer versus Anrainer, Carsharing versus emotionaler Hang zum eigenen Auto oder Radabstellanlagen inklusive Ladestationen für die wachsende Zahl von e-Bikes.

Moderator Rohracher bemerkte, dass man bei allen Themen auch schnell in gesellschaftspolitische Diskussionen gerät und ein großer Koordinator fehle. Seine abschließende Frage an die Runde war daher, was die Wünsche an einen solchen Koordinator wären. Raab betonte, man müsse an die Nachhaltigkeit des Verkehrs denken.

Für Breiteneder funktioniert die Koordination in Wien schon gut. Friedreich sieht eher die Rolle als Moderator, der die Bevölkerung informiert und Bewusstsein für Verkehrsverhalten schafft im Sinne von leben und leben lassen. Wiesinger möchte die Politik nicht aus der Verantwortung lassen.

Kiss sagte, die Technik könne viel, es gebe Förderungen für Smart Parking um Städte zu motivieren, wünschenswert seien Klarheit und Transparenz in den Regelungen. Rohracher fasste zusammen: „Es braucht nicht nur Koordination, sondern auch Moderation, denn wir finden nur Lösungen, wenn wir miteinander reden.“

Bilder: ©Leadersnet / D. Mikkelsen

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