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Seit Anfang 2014 hat kaum noch einer der insgesamt 1200 Mitarbeiter von T-Mobile Österreich einen eigenen Schreibtisch. Maria Zesch, Vice President Business und Wholesale, erläutert im Interview, wie der Eintritt in die „New World of Work“ gelang, und was mobiles und flexibles Arbeiten dem Unternehmen gebracht hat.

Frage: Seit wann beschäftigt sich T-Mobile Österreich mit mobilem bzw. flexiblem Arbeiten?

Maria Zesch über flexibles Arbeiten

Maria Zesch: Eigentlich schon seit dem Jahr 1996. Da wir aus dem Mobilfunk kommen, war das Thema immer virulent. Wir waren der erste österreichische Provider, der Blackberrys sowie Android-Geräte am heimischen Markt angeboten hat. Seit zwei Jahren aber merken wir, dass sich immer mehr Unternehmen mit flexiblen Arbeitsformen auseinandersetzen. Aus zwei Gründen: Einerseits fordern die eigenen Mitarbeiter die Flexibilisierung des Arbeitsplatzes ein, andererseits wollen die Betriebe Kosten sparen.

 

Frage: Wie ging T-Mobile Österreich als Unternehmen und Arbeitgeber selbst an dieses Thema heran?

Maria Zesch: Im Vorjahr haben wir uns entschlossen, T-Mobile Österreich neu zu gestalten. Wir haben unsere Marke einem Relaunch unterzogen. T-Mobile ist nun emotionaler. Unser CEO, Andreas Bierwirth, wollte das Unternehmen auch flexibler machen, und die Zusammenarbeit untereinander stärken. Daraus ist dann der Gedanke des „T-Centers neu“ entstanden.

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Frage: Was bedeutet „T-Center neu“ konkret?

Maria Zesch: Alle Manager, die Geschäftsführung miteingeschlossen, haben keine eigenen Büros mehr. Es gibt nur noch flexible Arbeitsplätze. Jeder Mitarbeiter hat einen verschließbaren Rollboy und sucht sich am Beginn seines Arbeitstages einen Platz aus, an dem er arbeiten will. Die Mitarbeiter vereinbaren mit ihren Führungskräften, wann und wie viele Stunden sie von zuhause aus arbeiten, und wann sie im Büro sind. Das gesamte Konzept besteht aus drei Komponenten: Raum, IT und Personal. Diese Komponenten müssen gut zusammenpassen und ineinander greifen.

Frage: Wie spielen diese drei Komponenten bei T-Mobile nun zusammen?

Maria Zesch: Wir haben keine Einzelbüros mehr, sondern nur noch Gruppenräume. Es gibt Ruhezonen und Kreativzonen. Mithilfe von neuen IT-Anwendungen wie OpenScape sieht jeder Mitarbeiter die Verfügbarkeit der anderen. Die Führungskräfte müssen den Mitarbeitern die Vorteile des neuen Arbeitens erklären. Es ist extrem wichtig, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen.

Frage: Wie tat dies T-Mobile konkret?

Maria Zesch: Für die Kollegen, die in der Lohn- und Gehaltsabteilung arbeiten, ist Vertraulichkeit sehr wichtig. Darum kann in diesem Bereich auch nicht jeder Mitarbeiter einfach hineingehen. Beim Marketing ist es hingegen fast genau umgekehrt. Hier ist Raum für Kreativität gefragt. Mitarbeitern muss es möglich sein, ein bisschen zu „spinnen“. Mit einem Einheitsprinzip über alle Abteilungen sprichwörtlich darüberzufahren, funktioniert also nicht. Wie zuvor schon angedeutet: Man muss die Bedürfnisse der Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen eruieren und mit ihnen besprechen. Wichtig ist auch, ihr Feedback einzufordern.

Frage: Welche Herausforderungen gab es beim Eintritt in die „New World of Work“ noch zu meistern?

Maria Zesch: Man darf die Stimmung, die ein Raum ausstrahlt, nicht unterschätzen. Das habe ich in diesem Projekt gelernt. Der Wohlfühlaspekt im Büro ist das Um und Auf. Besonders wenn die Mitarbeiter keinen fixen Arbeitsplatz haben. T-Mobile hat hier einiges investiert, Räume umgebaut und neu gestaltet. Völlig neu sind etwa die Küchen und die Gemeinschaftsräume. Die Raumgestaltung erfordert aber auch viel Feingefühl für die kleinen Dinge, wie etwa Schallschutz oder Bilder. Wir sind da stetig am Verbessern. In der ersten Phase ist uns das noch nicht hundertprozentig gelungen.

Frage: Gab es bei der dritten von Ihnen angesprochenen Komponente, der IT, Hürden?

Maria Zesch: Eine große Herausforderung ist es, dass die Mitarbeiter die neuen, für das flexible Arbeiten notwendigen Tools auch nützen. Ich sehe das bei mir selber. Damit meine Mitarbeiter wissen, wann ich verfügbar bin, muss ich OpenScape auch nützen. Denn oft muss ich etwas unterschreiben, und meine Kollegen finden mich dann nicht.

Frage: Wie gehen die Führungskräfte mit den flexiblen Arbeitsformen um?

Maria Zesch: Wie führt man Mitarbeiter, die nicht ständig am gleichen Platz sitzen? Wie kommuniziere ich als Führungskraft, wenn ich kein eigenes Büro mehr habe? Das sind die Fragen, mit denen sich unsere Führungskräfte auseinandersetzen müssen. Ich bin für 170 Mitarbeiter zuständig und spreche nun für meinen Bereich: Im Vertrieb ist es Gang und Gäbe, Mitarbeiter zu führen, die nicht im Büro sitzen. So gesehen bin ich das gewohnt. Die Kollegen vom Service wiederum müssen im T-Center anwesend sein. In diesem Bereich testen wir gerade, wie man Mobile Office realisieren kann. Im Marketing ist es wieder etwas anders: Wenn Mitarbeiter wirklich konzentriert arbeiten möchten, dann tun sie das am liebsten von Zuhause aus. Ganz generell: Führungskräfte müssen sich am Output orientieren - und nicht am Input. Es ist nebensächlich, ob ein Mitarbeiter für ein Projekt 38, 40 oder 42 Stunden benötigt. Führungskräfte müssen mit Mitarbeitern Ziele definieren. Dann ist auch das Verständnis da, wenn die Leistung passt und wenn sie nicht passt.

Frage: Seit gut einem Jahr gibt es nun bei T-Mobile die flexiblen Arbeitsformen. Welche Vorteile haben Sie aus Ihrer Sicht gebracht?

Maria Zesch: Ich bin sehr viel mehr mit meinem Mitarbeitern und meinen Teams zusammen, als ich das vorher war. Ich sitze mit dem Sales-Team und meinen Assistentin in einem Raum. Ich bekomme die Probleme und Themen, die meine Mitarbeiter bewegen, viel schneller mit. Ich versuche immer, in andere Büros zu gehen und so habe ich in diesem Jahr mit jedem meiner Teams mindestens einen Arbeitstag lang verbracht. Dadurch verändert sich die Perspektive, und das finde ich sehr positiv.

Frage: Ist die Hierarchie dadurch flacher geworden?

Maria Zesch: T-Mobile ist ein sehr jugendliches Unternehmen. Wir duzen uns alle, und das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 36. Unsere Hierarchien waren also schon vor der Umstellung flach. Wenn man mehr beieinander sitzt, dann redet man auch schneller über etwas Privates, als wenn man sich einmal im Monat treffen würde.

Frage: Flexible Arbeitsformen sind gerade bei den jungen High-Potentials sehr beliebt. Hat es T-Mobile nun im „War of Talents“ leichter als zuvor?

Maria Zesch: Diese Theorie liest man öfter. Allerdings sind flexible Arbeitsformen schon eine Selbstverständlichkeit, und kaum eine Möglichkeit, sich von anderen Arbeitgebern zu differenzieren. Von einem so jungen Unternehmen, wie wir es sind, nehmen Arbeitnehmer an, dass es flexible Arbeitsformen anbietet. Wenn dem nicht so wäre, wäre das extrem negativ und würde auch überhaupt nicht zu unserer Marke passen.

Frage: Die „New World of Work“ soll Unternehmen auch handfeste Einsparungsmöglichkeiten bringen. Besonders die Kosten für Standort und Büro werden da oft genannt.

Maria Zesch: Ja, für die Einsparung von Bürofläche gibt es Benchmarks. Demnach wären 7 Arbeitsplätze für 10 Mitarbeiter ausreichend. Was wieder eine Einsparung bei den Bürokosten von bis zu 30 Prozent bedeutet. Das ist ein gewichtiges Argument. Auch im T-Center sind Plätze durch die Umstellung frei geworden. Die haben wir entweder an den Vermieter zurückgegeben oder selbst weiter vermietet.

Frage: Welche Potenziale hat die „New World of Work“ für die österreichische Wirtschaft?

Maria Zesch: Das Thema allein auf Einsparungen bei Bürokosten zu reduzieren, wäre ein Fehler. Es geht um die Frage, wie österreichische Unternehmen erfolgreicher werden können. Da spielt das Thema, welche Mitarbeiter sie gewinnen können, eine große Rolle. Deren Qualifikation hat ja direkt mit der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu tun. Betriebe mit flexiblen Arbeitsmodellen haben im „War of Talents“ sicherlich Vorteile. Es gibt auch weniger rein hierarchische Büroarbeit, bei der der Chef anschafft. Projektarbeit, auch gemeinsam mit Kunden sowie Partnern, gewinnt an Bedeutung. Österreichs Wirtschaft ist beispielsweise im Anlagen- und Maschinenbau sehr gut unterwegs. Dieser Branche muss der Sprung in die Digitalisierung gelingen. Dieser Bereich muss sich mit Themen wie Industrie 4.0 oder Machine-to-Machine auseinander setzen.

Frage: Eine letzte, persönliche Frage noch. Wo arbeiten Sie seit dem Umstieg auf flexible Arbeitsformen am liebsten?

Maria Zesch: Ich bin sehr viel in Meetings, und ehrlich gesagt, freue ich mich, wenn ich an einem Schreibtisch sitze. Dort kann ich dann konzentriert inhaltlich arbeiten. Andererseits genieße ich es, mit meinen Mitarbeitern zusammen zu sein. Alleine wenn ich durch die Gänge gehe, bekomme ich viele wichtige Informationen mit. Die Kürze und die Schnelligkeit, mit der der Austausch mit den Mitarbeitern von statten geht, machen mir wirklich Spaß.

ad Personam Maria Zesch

Maria Zesch ist seit elf Jahren bei T-Mobile Österreich in verschiedenen Management-Positionen aktiv. Seit 1. Dezember 2015 ist Frau Zesch Chief Commercial Officer (CCO) bei T-Mobile Austria.

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