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Zündende Ideen finden Unternehmen nicht nur innerhalb der eigenen Firma. Gerade Bastler, Tüftler und Anwender haben oft Lösungen für Probleme entwickelt, vor denen Unternehmen gerade stehen. Das Projekt "Industry meets Makers", das seit April dieses Jahres läuft, will nun neue Kollaborationsmodelle zwischen Industrie und kreativer Maker-Szene anstoßen.

Dabei schreiben Top-Industriebetriebe Briefings in den Bereichen Robotik/Künstliche Intelligenz, 3D-Druck, Industrie 4.0, Internet of Things und Smart Digital City aus und laden innovative Startups, Kleinunternehmen, freie Entwickler, Hobby-Bastler, Studierende und Schüler dazu ein, die Herausforderungen alleine oder in Teams im Rahmen eines sechsmonatigen Programms zu lösen. Auch T-Mobile hat ein Briefing zum Themenschwerpunkt Internet-der-Dinge und Industrie 4.0 abgegeben. 

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Wie das Projekt konkret abläuft, was beim Finale im Rahmen der Digital Days im Oktober zu erwarten ist und wie es um die heimische Maker-Szene überhaupt bestellt ist, darüber gibt Initiatorin und Projektleiterin Sandra Stromberger im Interview Auskunft:

Sandra Stromberger.jpgWie würden Sie „Makers“ in einigen wenigen Sätzen beschreiben? 

Sandra Stromberger: Der Ausdruck kommt aus dem US-amerikanischen Raum, bedeutet direkt übersetzt „Macher“ und beschreibt Bastler oder Tüftler aus dem Technologieumfeld. Klassische Makers kommen in meiner persönlichen Wahrnehmung eher aus dem Hobby-, Open Source- und Do-it-yourself-Umfeld. Zu typischen Tools, mit denen sie arbeiten, zählen beispielsweise 3D-Drucker, CNC-Maschinen oder Laser-Cutter. Beim Projekt „Industry meets Makers“ spannen wir den Begriff des Makers aber bewusst etwas weiter und auch kommerzieller. Im Prinzip kann jeder mitmachen, der Ideen hat – also durchaus auch Startups und kleine Unternehmen – und wenn aus dem Co-Creation-Prozess heraus in weiterer Folge innovative neue Produkte  zum Vorteil aller Beteiligten entstehen, dann freuen wir uns sehr. Damit hätten wir dann wesentliche Ziele unseres Projekts erreicht.

Seit wann gibt es eine Maker-Szene in Österreich bzw. Wien?

Ich habe vor etwa zwei Jahren eine Marktrecherche durchgeführt: Damals gab es bereits erste Maker-Spaces bzw. FabLabs in Wien, wie das Happylab, das Metalab und gerade neu eröffnet Maker Austria. Erste Pioniere waren schon seit einiger Zeit in der Szene aktiv und boten gezielt Workshops und Trainings für Makers an, wie etwa Manuel Laber von Laberslab. Fatih Orhan von Semaf Electronics etwa organisierte Technikequipment für Makers. Es gab damals auch Initiativen, die drauf und dran waren, Netzwerke im thematischen Umfeld aufzubauen, wie etwa IoT-Austria.

Heuer wurde ja zum ersten Mal die Maker Fair Vienna veranstaltet. Was hat dieser Event der heimischen Maker-Szene gebracht? 

Das war ein richtig schöner Auftakt, der auch der breiteren Öffentlichkeit vermittelt hat, dass es eine aktive Maker-Szene in Wien gibt, und was man sich darunter eigentlich  vorstellen kann. Diese Messe war aber sicher auch ein starkes Statement für die Community selbst, weil alle einmal gesehen haben, wie viele Makers es in Wahrheit in unseren Breitengraden bereits gibt.

Es gibt für die Maker-Szene mit Ausnahme der Labs und der Veranstaltungen einiger Akteure ja sonst keine wirklich zentralen Anlaufstellen. Die Organisatoren der Maker Fair Vienna haben das wirklich super hinbekommen. Sie haben ja auch einiges an Erfahrung, denn sie richten schon seit Jahren die sehr erfolgreiche RobotChallenge aus.

Gab es internationale Vorbilder für „Industry meets Makers“?

Nein. Ich habe vor zwei Jahren, als ich mit dem Projekt begonnen habe, jedenfalls keine gefunden, die genau so konzipiert waren. Mit dieser spezifischen Form waren wir vermutlich tatsächlich die Ersten. Challenges gibt es wie Sand am Meer. Wenn es aber um neue Technologien und ganz konkrete Produktentwicklungsanfragen geht, dann wird die Anzahl schon merklich geringer.

Bei vielen Projekten wird viel geredet und vernetzt - aber es passiert nicht viel. Das ist bei Industrie meets Makers anders. Vor allem auch daher, weil die Firmen zu dem Zeitpunkt, an dem sie ein Briefing ausschreiben, sich bereits voll dazu bekannt haben, diesen neuen Weg auszuprobieren. Sie haben zudem auch eine konkrete Aufgabe definiert, deren Lösung ihnen wirklich weiterhelfen würde. Wir haben dann schon Vorarbeit geleistet, die Makers steigen erst an dem Punkt in die Kommunikation ein, an dem es konkret werden kann und wichtige Grundfragen bereits geklärt sind.

Eine weitere Besonderheit von „Industry meets Makers“ ist sicher auch, dass das Projekt  von der Stadt Wien unterstützt wird. Das Projekt ist  Teil des Programms der DigitalCity.Wien-Initiative. Wir haben für die Umsetzung auch eine Förderung der Wirtschaftsagentur Wien bekommen.

Wie würden Sie den Nutzen für die teilnehmenden Industriebetriebe beschreiben?

Die Industrie profitiert vom Blick von außen. Jemand, der nicht zum Unternehmen gehört, und damit die vorherrschenden Business-Strategien, Guidelines und Ansichten nicht kennt, kann Problemstellungen, aber auch schon existierende Produkte und Lösungen, aus völlig anderen Perspektiven betrachten, weil sein Blick einfach nicht durch vorgefertigtes Gedankengut verstellt ist.

Zudem kommt, dass sich die Maker-Community aus Menschen mit völlig heterogenen Kompetenzprofilen zusammensetzt. Da sind Hardcore-Techniker und Forscher aus verschiedensten Disziplinen genauso dabei wie Designer und Künstler. Diese verschiedenen Hintergründe bringen naturgemäß  auch ganz unterschiedliche Inputs mit sich.

Und welche Vorteile haben die Makers davon, bei Ihrem Projekt mitzumachen?

Die Vorteile sind so unterschiedlich wie die Profile der Makers. Wir haben vor dem offiziellen Start des Projekts einen sogenannten Briefing-Check organisiert, durch den wir herausfinden wollten, welche längerfristigen Perspektiven einen Maker wirklich interessieren. Wir haben schnell gelernt, dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt, was einen Maker interessiert.

Ein Startup oder ein Kleinunternehmen hat naturgemäß ganz andere Interessen als ein Hobbybastler, oder ein TU-Student, der ein Thema für seine Diplomarbeit sucht. Wir haben festgestellt, dass die konkreten Perspektiven und damit auch Vorteile erst dann wirklich definiert werden können, wenn sich die Makers und die Industriebetriebe kennengelernt haben.

Gibt es bereits Beispiele, bei denen Maker für Industriebetriebe Innovationen entwickelt haben?

Aus dem Projekt „Industry meets Makers“ gibt es natürlich noch nichts Fertiges, weil wir uns ja erst in der Mitte des Prozesses befinden. Aber nach drei Monaten lässt sich auf jeden Fall schon sagen, dass die Chancen auf etwas Innovatives recht gut stehen. Bei manchen Briefing-Themen arbeiten bis zu zehn Teams parallel an Lösungen. Aber es gibt natürlich abseits unseres Projekts bereits einige Erfolgsbeispiele, die man an dieser Stelle nennen kann.

Am 14. Juli veranstalten wir einen ExpertenTalk-Abend zum Thema Co-Creation, bei dem wir einige davon vorstellen möchten. Zum Beispiel jene, die durch die langjährige Zusammenarbeit zwischen TELE Haase mit Freygeist und Twingz oder die Kooperation zwischen Microtronics und Payuca entstanden sind, sowie eine weitere, die die Greiner Gruppe gemeinsam mit dem Early Stage Startup Ponganic  anvisiert.

Wie schwer war es, das Projekt „Industry meets Makers“ auf die Beine zu stellen?

Industry meets Makers auf die Beine zu stellen hat in etwa eineinhalb Jahre gedauert. Entscheidungsprozesse in größeren Unternehmen brauchen einfach eine gewisse Zeit, und die Ansprache der Maker-Szene hat auch ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen.  Es gibt ja keinen zentralen Ansprechpartner für alle, sondern jeder muss individuell gefunden und eingeladen werden. 

Es ist eben aufwändig, Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen, Kenntnissen und Bedürfnissen zusammenzubringen. Am Wichtigsten für mich persönlich war es, den langen Atem nicht zu verlieren. Aber jetzt läuft’s. Der Kick-Off im April ging erfolgreich über die Bühne und die Arbeit an den Briefing-Themen läuft  gut an. Allein an dem Briefing von Infineon, bei dem es um die Entwicklung von Quadrocoptern geht, arbeiten bereits 10 Teams.

Für das Projekt Solarstrominsel der Wien Energie, haben sich Makers aus verschiedenen Bereichen gefunden, die sich vorher nicht kannten und nun miteinander kooperieren. T-Mobile hat die IoT-Developer-Box gerade verteilt,  jetzt finden laufend Meetings statt, bei denen die Makers ihre Ideen mit T-Mobile abstimmen und die nächsten Schritte planen. Die Anwendungsideen der Makers sind total unterschiedlich. 

Hardware-Komponenten sind bei den Makers meinem Eindruck nach besonders beliebt. Bei abstrakteren Themen wie Software hatte ich anfangs die Befürchtung, dass das Interesse und die Ideen geringer ausfallen könnten. Nun hat sich aber gezeigt, dass sich dieser Bereich auch gut entwickelt. 

Industry meets Makers wurde von Ihnen als selbständige Unternehmerin initiiert. Wenn Sie für Ihre Rolle eine oder auch mehrere Berufsbezeichnungen finden müssten, wie würden die lauten? 

Im Moment bin ich Vernetzerin, obwohl ich den Ausdruck nicht mag, weil er in meiner Wahrnehmung irgendwie negativ besetzt ist. Gleichzeitig bin ich auch Anbieter einer Plattform, die den Austausch zwischen Industrie und Makerszene ermöglicht, und in gewisser Weise  auch eine Moderatorin, die dabei hilft, beide Seiten zusammenzuführen und ihre Berührungsängste abzubauen. Obwohl sich im Laufe des Prozesses immer klarer herauskristallisiert, dass diese weit geringer sind, als ursprünglich erwartet – vermutlich auch deshalb, weil die, die sich auf den Prozess einlassen, automatisch auch die nötige offene Grundhaltung mitbringen und sich auf den Austausch freuen.

Bis Mitte Juni konnten Industriebetriebe ihre Ausschreibungen einreichen, sind Sie mit dem Echo zufrieden?

Etwa 40 Unternehmensvertreter waren bei unseren ersten Industriepartnertreffen im letzten Jahr jeweils dabei. Sieben Unternehmen haben dann bei konkreten Briefings mitgemacht. Eines hat zwei Wochen nach der Ausschreibung erfahren, dass in den USA quasi zeitgleich ein erster Lösungsansatz in diesem Bereich vorgestellt wurde. Ein anderes Unternehmen, die Greiner Gruppe, hat  am Beginn des Prozesses bereits ein Startup gefunden, das ziemlich genau den Vorstellungen entspricht.

Sie haben  sozusagen wegen vorzeitigen Erfolgs die Ziellinie bereits vor allen anderen überschritten (lacht). Die anderen fünf Industriebetriebe sind mitten im Prozess und arbeiten bereits aktiv gemeinsam mit den Makers. Gleichzeitig melden sich  immer wieder neue Industriebetriebe, die auch noch mitmachen möchten, weil das Projekt  bei ihnen gerade gut reinpasst oder sie erst kürzlich von Industry meets Makers erfahren haben. Die Entscheidung, ob sie noch in dieser Runde quer einsteigen, oder ob wir einfach im Herbst einen Folgezyklus starten, ist noch nicht gefallen.

Innovation ist für viele Unternehmen noch eine Sache, die hinter den eigenen, verschlossenen Türen geschieht. Ein öffentliches Briefing kann ja der Konkurrenz schon signalisieren, wohin sich ein Betrieb entwickeln will. Gab es bei den Industriebetrieben Vorbehalte dieser Art?

Ja. Und es sind auch einzelne Briefings aus genau diesem Grund nicht ausgeschrieben worden. Man hat befürchtet, dass man der Konkurrenz gute Ideen freihaus liefern und ihre Realisierung nicht vor ihr schaffen würde. Als Lösungsoption wurde überlegt, Briefings für themenverwandte Lösungen auszuschreiben, die man eh auch angehen möchte, auf diese Weise die richtigen Makers zu finden und diese dann abseits von Industry meets Makers auch für die Entwicklung der anderen, „geheimeren Projekte“ einzuladen.

Die Briefings stammen bei „Industry meets Makers“ ja eher von großen Unternehmen. Können auch KMU von diesem Projekt profitieren?

Wir haben einfach einmal mit den großen Unternehmen angefangen, aber im Grunde könnten durchaus auch KMU mitmachen. Das Projekt entwickelt insgesamt eine interessante Eigendynamik, was dieses Themenfeld betrifft. Letztes Jahr wurde ich z.B. von einem KMU-Vertreter angerufen, der sich unbedingt als Maker anmelden wollte, obwohl er 150 Mitarbeiter beschäftigt.

Dann haben plötzlich Industriebetriebe damit begonnen, sich für Briefings anderer Industriebetriebe zu registrieren. Firmen, die gerade darüber nachdenken, ob sie auch ein Briefing ausschreiben, meinten, dass sie gerade überlegen, in ihrem speziellen Fall überhaupt nur KMU als Makers einzuladen, weil die Aufgabenstellungen dem entsprechend komplex wären. Und es passiert  immer öfter, dass mir Unternehmen einfach Stellenausschreibungen zuschicken, wenn sie gerade nach Teamverstärkung suchen.

Vielleicht posten wir jetzt auch bald Jobdescriptions - warum eigentlich nicht? Wie Sie sehen, verschwimmen die Grenzen in beide Richtungen. Für mich ist das ok, solange daraus Geschäfte oder Innovationen zum Vorteil aller Beteiligten entstehen.

Das Finale von „Industry meets Makers“ bilden die Digital Days, die im Oktober 2016 stattfinden. Was darf man bei der finalen Präsentation erwarten?

Wir können freilich nicht prognostizieren, wie schnell die Teams vorankommen. Ziel ist aber schon, dass wir dort erste Prototypen präsentieren können. Bei einigen Projekten ist das durchaus realistisch. Die Quadrocopter von Infineon fliegen schon. Ob wir ihre Kunststücke vorführen können, wird in diesem Fall eher davon abhängen, ob wir eine Sonderfluggenehmigung bekommen.

Für das Projekt Solarstrominsel der Wien Energie rechne ich ebenfalls mit ersten Prototypen. Für die IoT-Developer-Box von T-Mobile wird es vermutlich ebenfalls etwas Konkretes zum Herzeigen geben. Wir werden auf jeden Fall unsere Erfahrungen aus dem Projekt „Industry meets Makers“ präsentieren. Schließlich ist es auch Ziel dieser Pilotprojektphase, zu eruieren, was funktioniert und was eben nicht. Ebenso wollen wir dort verraten, wie es mit den Projekten weitergehen wird, wie die nächsten Schritte aussehen und welche Perspektiven die Erfindungen haben.

Fazit: Industry meets Makers

T-Mobile bedankt sich herzlich bei Sandra Stromberger für das spannende Interview. Das Projekt „Industry meets Makers“ ist einzigartig: Statt auf sich allein gestellt Innovationen zu entwickeln, wollen Industriebetriebe gemeinsam mit einer völlig heterogenen Gruppe - vom Bastler bis zum kreativen KMU - Neues erfinden. Die Stadt Wien fördert dabei diese Plattform in vielfältiger Art und Weise. Die Inventionen, die die Makers dann für die teilnehmenden Industriebetriebe entwerfen, werden sicherlich wertvoll sein. Mindestens genauso wertvoll sind aber die Erfahrungen, die die Industrie und die Makers bei diesen neuen Kooperationsmodellen machen werden. Der T-Mobile Business Blog wird „Industry meets Makers“, das im Oktober endet, redaktionell weiter begleiten und über die Fortschritte des Projekts, einzelne Maker Teams, den ExpertenTalk zum Thema Co-Creation am 14. Juli, die Abschlussveranstaltung und andere Smart City Initiativen berichten.

 

Flyer IoT Box T-Mobile

 

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