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Jede Art von Veranstaltung, selbst der Euro Vision Song Contest im Jahr 2015, kann als „Green Event“ durchgeführt werden, betont Monika Langthaler im Interview. Der ehemaligen Nationalratsabgeordneten und Mitbegründerin der Agentur brainbows zufolge wäre Österreich in Sachen nachhaltiger Veranstaltungen international führend.

Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie sich ein Green Event organisieren lässt, welche Mehrkosten dabei entstehen und welchen Nutzen das dem Unternehmen bringt. 

Langthaler_Monika_c_brainbows_klein.jpgFrage: Können Sie in kurzen Worten beschreiben, was eine Veranstaltung zu einem Green Event macht?

Monika Langthaler: Der Erfolg einer Veranstaltung wird nicht nur an einer perfekten Organisation oder einem reibungslosen Ablauf gemessen. Auch die Auswirkungen auf die Umwelt und Gesellschaft rücken zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit. Wie wird ein Event also nachhaltig bzw. „grün“? Das Themenspektrum reicht hier vom umfassenden Abfallvermeidungskonzept, der Verwendung regionaler Lebensmittel über eine klimafreundliche Anreise und Organisation bis hin zu sozialen Themen wie Barrierefreiheit und Gender Mainstreaming. Grundsätzlich kann jede Veranstaltung nachhaltig organisiert werden. Festgelegte Standards bieten anerkannte Zertifizierungen, wie das Österreichische Umweltzeichen oder ÖkoEvent der Stadt Wien.

Frage: Wie können Unternehmen einen Green Event realisieren? Welche Informationsangebote können Sie empfehlen, wenn ein Unternehmen sich dafür zu interessieren beginnt?

Monika Langthaler: Ich würde einem Unternehmen empfehlen, das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings bzw. Green Events anzustreben. Das ist der anerkannte Standard,  auch die Bundesländer-Labels orientieren sich daran. Ausreichende Informationen gibt es diesbezüglich unter www.umweltzeichen.at, inklusive Downloads  unterschiedlicher Checklisten, Handlungsanleitungen und Infobroschüren. Auch die Website von Green Events Austria, einer Initiative des Umweltministeriums, ist zu empfehlen. Ein Green Event nach dem Österreichischen Umweltzeichen muss allerdings von einem externen Lizenznehmer zertifiziert werden. Es ist daher sinnvoll, die Veranstaltung bereits von Anfang an von einer akkreditierten Agentur planen, organisieren oder begleiten zu lassen. (Anmerkung: Die Liste der Lizenznehmer finden Sie hier.)

Frage: Welchen Nutzen ziehen Unternehmen daraus, Green Meetings und Green Events zu realisieren?

Monika Langthaler: Der Nutzen für das Unternehmen besteht ganz klar in der Signalwirkung nach innen und außen. Denn mit einem Green Event setzen Unternehmen ein Statement, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit einen wichtigen Stellenwert genießen und auch im Business-Alltag gelebt werden. Zudem erreicht ein Event entweder die breite Öffentlichkeit oder gerade eine bestimmte Zielgruppe. Eine bessere Gelegenheit, die Glaubwürdigkeit des eigenen, nachhaltigen Engagements zu unterstreichen, gibt es wohl kaum.

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Frage: Ist ein Green Event eigentlich teurer, als ein vergleichbarer „konventioneller“ Event?

Monika Langthaler: Die Mehrkosten halten sich in Grenzen. Neben dem Beitrag für den Lizenznehmer ist die Wahl der Location ein wichtiger Faktor. Ein energieeffizientes, nachhaltiges Gebäude bringt einen großen Startvorteil und hilft zugleich, Energie zu sparen. Es gibt aber keine Allgemein-Regel, dass „Green Locations“ generell teurer sind. Da spielen meist andere Faktoren eine Rolle. Etwas teurer wird meist die Verpflegung, weil hier auf Bio und Regionalität gesetzt wird. Gegenüber einem konventionellen Catering kann beim reinen Warenwert mit zirka 20 Prozent Mehrkosten gerechnet werden. Allerdings gibt es auch Einsparungspotenzial, etwa durch bewussten Umgang mit Essen – Stichwort Lebensmittelabfälle. Auch in anderen Bereichen können durch den bewussten Umgang mit Ressourcen Kosten eingespart werden.

Frage: Seit wann veranstalten Firmen und Organisationen in Österreich  Green Events? Und: Im nächsten Jahr sind ja Unternehmen ab einer bestimmten Größe dazu verpflichtet, über ihre Nachhaltigkeitsstrategien zu berichten. Wie wird diese Regelung Ihrer Meinung nach das Interesse der Wirtschaft an Green Events beeinflussen?

Monika Langthaler: Green Events sind generell seit zirka 20 Jahren ein Thema – auch im größeren Rahmen. So wurden etwa die Olympischen Spiele in Sydney im Jahr 2000 als Green Event tituliert. Auch für die Euro 2008 wurde ein Nachhaltigkeitskonzept umgesetzt. Das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings und Events startete im Jahre 2010 und legte jedes Jahr enorm zu: Waren es 2011 noch 21 Events bzw. Meetings, erhielten 2015 bereits 329 Veranstaltungen die Umweltzeichen-Zertifizierung. Dieser Trend wird sich fortsetzen, vor allem, da ja wie Sie erwähnt haben, ab 2017 börsennotierte Unternehmen, sowie Versicherungen und Banken, also „Unternehmen von öffentlichem Interesse“ mit mehr als 500 Beschäftigten und 40 Millionen Euro Umsatz jährlich über nichtfinanzielle Informationen  wie Umwelt, Arbeitnehmer und Sozialbelange, Menschenrechte, Antikorruption und Diversität berichten müssen – entweder im Lagebericht oder mit einem eigenem Nachhaltigkeitsbericht. Das entsprechende Gesetz (NaDiVeG) wurde vor kurzem im Parlament verabschiedet. Das ist aus der Sicht der Nachhaltigkeit eine gute Entwicklung, wenngleich auch keine verbindlichen Standards für die Berichterstattung vorgegeben werden. Auf jeden Fall werden sich einige Unternehmen mit dem Thema stärker auseinandersetzen und ihr Engagement intensivieren – dazu gehören auch Green Events.

Frage: Sind österreichische Firmen oder Organisationen im internationalen Vergleich Vorreiter in Sachen "Green Events"? Oder gibt es Länder, in denen Green Events schon länger und zahlreicher veranstaltet werden?

Monika Langthaler: International nimmt Österreich nicht zuletzt durch die Green Event Initiative und das Umweltzeichen eine Vorreiterrolle ein. Ähnliche Initiativen gibt es etwa in England (Anm: british standard for sustainable event management). Auch beim internationalen Standard ISO 20120 geht es um Nachhaltigkeit im Event-Management, allerdings ohne konkrete inhaltliche Kriterien für die jeweilige Veranstaltung. Die olympischen Spiele in London 2012 und der Songcontest in Malmö 2013 wurden nach dieser Vorgabe umgesetzt.

Frage: Welche Rolle hat brainbows bei der Realisierung eines Green Events? Wie arbeiten Sie hier mit dem Kunden bzw. auch mit Event-Agenturen zusammen?

Monika Langthaler: Wenn wir das Event nicht selbst organisieren, wie etwa im Falle des österreichischen Klimaschutzpreises, arbeiten wir eng mit der zuständigen Event-Agentur zusammen. Das beginnt in der Regel mit der Planung des Events und geht bis hin zur Zertifizierung und Kontrolle vor Ort. Gemeinsam loten wir mit dem Veranstalter aus, welche Maßnahmen unbedingt notwendig sind, welche möglich und realistisch? Wo erreichen wir einen großen positiven Umwelteffekt oder Mehrwert für die Gesellschaft oder Region, und wie erreichen wir möglichst viele Menschen mit unserer Botschaft? Natürlich stehen wir dann auch bei der Umsetzung mit unserer Expertise und unseren Kontakten zu Seite.

Frage: Sie haben es schon erwähnt - das Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events ist in Österreich ein anerkannter Standard. Gibt es da noch strengere oder einfacher zu erreichende?

Monika Langthaler: Das Umweltzeichen ist im Bereich Events sicherlich die Königsklasse, also der beste und etablierteste Standard, der auch international seinesgleichen sucht. Alternativ gibt es unterschiedliche Bundesländer-Standards, wie beispielsweise den ÖkoEvent in Wien, Gscheit Feiern in der Steiermark oder Green Events Tirol. Zudem gibt ein Leitfaden für nachhaltige Eventgestaltung von Green Events Austria hilfreiche Tipps und Anleitungen.

Frage: Die Initiative „Green Events Austria“ existiert seit zehn Jahren. Aus Ihrer Warte: Was hat diese Initiative der Verbreitung von „Green Events“ bisher gebracht?

Monika Langthaler: Green Events Austria hat einen wesentlichen Beitrag geleistet, um das Thema in Österreich und international voranzubringen. Vor allem das breite Netzwerk, das sich jährlich auf einer großen internationalen Konferenz trifft, hat dazu beigetragen, nachhaltige Veranstaltungen in die Bundesländer und Regionen zu tragen. Besonders gut gefällt mir der Wettbewerb „nachhaltig gewinnen!“, bei dem innovative Veranstaltungen im Bereich Kultur, Sport sowie Dorf/Stadt ausgezeichnet und ins Rampenlicht geholt werden.

Frage: Welche Green Events hat brainbows zuletzt umgesetzt?

Monika Langthaler: Pro Jahr begleiten wir etwa fünf bis zehn Green Events bzw. Meetings, wie zum Beispiel die Verleihung des österreichischen Klimaschutzpreises, die wir bereits seit 2012 jährlich organisieren. Neben der Euro 2008 und der Ski WM in Schladming 2013, stellte der Eurovision Song Contest im Jahre 2015 für uns einen Meilenstein dar. Dieser ist immerhin der größte TV-Unterhaltungsevent der Welt mit rund 200 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern, 1.700 Medienvertretern aus der ganzen Welt, Delegationen aus 39 Ländern und 100.000 Besucherinnen und Besuchern in der Wiener Stadthalle. Zum ersten Mal in der 60-jährigen Song-Contest-Geschichte wurde der Event 2015 vom ORF in Wien durchgängig nach anerkannten Umweltstandards gestaltet und als zertifiziertes Green Event durchgeführt. Wir von brainbows waren mit der Konzeption, Begleitung und Zertifizierung des Green Events beauftragt. Eine Aufgabe, die wir, wie ich glaube , sehr gut bewältigt haben. Auch weil das Green Event nicht nur die Stadthalle, sondern auch das Eurovision Village am Wiener Rathausplatz und den Euroclub in der Ottakringer Brauerei umfasste. Es gibt darüber auch einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht, in dem Sie alle Informationen dazu finden.

Frage: So manches Unternehmen - wie etwa T-Mobile Austria - agiert CO2-neutral. Welche Rolle spielen die Green-Events für die CO2-Bilanz eines Unternehmens? Werden die hier direkt eingerechnet? Gibt es so etwas wie eine CO2-Bilanz für Events?

Monika Langthaler: Ob ein Unternehmen seine Events in seiner CO2-Bilanz mitrechnet, hängt davon ab, welche Bereiche dabei berücksichtigt werden und wie diese definiert werden. Grundsätzlich fallen vor allem bei großen internationalen Events erhebliche CO2-Emissionen an, denken Sie nur alleine an die Reisetätigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es besteht die Möglichkeit, Events klimaneutral zu gestalten und Emissionen durch Maßnahmen zu reduzieren, etwa durch den Einsatz von Ökostrom. Der Rest kann im Nachhinein durch die Unterstützung von zusätzlichen Klimaschutzprojekten kompensiert werden. Vor allem für Veranstaltungen, die thematisch einen Umwelt-, Energie- oder Nachhaltigkeitsbezug haben, kann dies zur Glaubwürdigkeit beitragen.

Danke für das Gespräch.

ad Personam

Die gebürtige Wilhelmsburgerin war von 1990 bis 1999 Nationalratsabgeordnete und Umwelt-, Energie- und Telekommunikationssprecherin der Grünen. In den Jahren 1998 und 1999 war Monika Langthaler Mitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarates. 1999 absolvierte sie den Master of Science in Environmental Management (MSc) der University of London. Sie schrieb zahlreiche Publikationen zu den Themen Abfallwirtschaft, Chemiepolitik, Richtlinien für Umweltverträglichkeitsprüfungen, Umweltökonomie und BürgerInnenbeteiligung. Langthaler ist Gründungsmitglied und geschäftsführende Gesellschafterin der im Juli 2000 gegründeten brainbows Informationsmanagement GmbH.

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