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Um Energie sparen zu können, müssen Sie zunächst Ihren Verbrauch kennen. Ein strukturiertes Energiemanagement schafft die Basis dafür. Große Unternehmen sind ohnehin verpflichtet, ein zertifiziertes Energie- und Umweltmanagement-System zu betreiben. Oder sie müssen ein externes Energie-Audit durchführen lassen.

Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie Sie Ihr eigenes strukturiertes Energiemanagement implementieren und wie Sie die ISO Norm 50001 dabei unterstützt.

Schlecht isolierte Fenster im Büro, ein ganztägig beleuchtetes Lager und IT-Gerätschaft, die auch am Wochenende im Standby-Betrieb läuft. Es gibt viele Energiefresser, die unnötige Kosten verursachen und gleichzeitig die Umwelt belasten. Um den Energieaufwand zu senken und den eigenen CO2-Footprint zu verkleinern, reicht es in einem ersten Schritt, sich über die Verbräuche einmal bewusst zu werden. Gerade das Bewusstsein, dass das Internet und die dazugehörige Hardware sehr viele Ressourcen benötigt, ist noch nicht sehr ausgeprägt.

ISO-Norm hilft beim strukturierten Vorgehen

Ein strukturiertes Energiemanagementsystem steigert die Effizienz und reduziert Verbrauch, Kosten und Emissionen. Mit Hilfe der energiespezifischen Norm ISO 50001 können Sie Systeme und Prozesse aufbauen, mit denen Sie die energiebezogenen Leistungen in Ihrem Betrieb verbessern. Die Austrian Energy Agency schätzt die Einsparungspotenziale, die sich durch die Anwendung der Norm ergeben, auf immerhin 10 bis 20 Prozent. Kleinen und mittelgroßen Unternehmen erleichtert die Norm den Einstieg in das Umweltmanagement mit Fokus auf den Bereich Energie. Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Unternehmen ab einer gewissen Größe ohnehin zu einem Energie- bzw. Umweltmanagementsystem. Außerdem müssen diese Betriebe alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen lassen.

In 10 Schritten zum strukturierten Energiemanagement

Um ein strukturiertes Energiemanagement in Ihrem Unternehmen einzuführen, das sich auch an der ISO-Norm 50001 orientiert, sind diese 10 Schritte notwendig:

1) Die Geschäftsführung muss sich zum Energiemanagement bekennen

Das Energiemanagement ist keine Sache einer Abteilung, es betrifft immer den Betrieb als Ganzes. Das Top-Management Ihres Betriebs muss sich deshalb dazu bekennen, effizienter mit Energie umzugehen. Auch das „Wie“  muss das Top-Management festlegen - und zwar in der Energiepolitik. Die ISO Norm 50001 gibt einige Mindestkriterien vor. Sie sollten auch darauf achten, dass Ihre Energiepolitik relevant ist. Das bedeutet, dass sie sich auf Ihren wesentlichen Geschäftsbereich bezieht. Als Logistikunternehmen können Sie Ihre Energiepolitik nicht nur auf Ihr Bürogebäude beziehen. Systemgrenzen, innerhalb derer Ihr Energiemanagement gilt, müssen Sie aber dennoch festlegen.

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An Ihrer Energiepolitik können Sie auch Ihre konkreten Energieziele festmachen. Ob Sie Ihre Energiepolitik öffentlich machen oder nicht, bleibt dabei Ihnen überlassen. Relevante energierechtliche Regeln und Vorschriften sollten Sie übrigens immer im Auge behalten.

Ihr Bekenntnis zum strukturierten Energiemanagement beinhaltet auch die Bestellung eines Energiemanagers. Er unterstützt die Geschäftsleitung bei der operativen Umsetzung des Energiemanagementsystems, und dient zugleich als Bindeglied zur Belegschaft.

2) Analysieren und bewerten Sie den Energieverbrauch Ihres Unternehmens

Um ein Ziel zu erreichen, müssen Sie vorher den Ist-Zustand kennen. Einen energetischen Ist-Zustand zu erheben, ist allerdings mit ein wenig Aufwand verbunden. Ermitteln Sie, welche Energieträger Sie einsetzen, wie viele diese verbrauchen, und wie hoch deren Kosten sind. Hilfreich ist dabei die so genannte ABC-Analyse. Mit deren Hilfe können Sie die wesentlichen Energieverbraucher schnell identifizieren. Versuchen Sie ein Energiefluss-Diagramm Ihres Unternehmens zu erstellen. In diesem Schritt sollten Sie auch klären, was den Energieverbrauch wesentlich beeinflusst. Die ISO-Norm 50001 verlangt nach einer Dokumentation und regelmäßigen Wiederholung dieser energetischen Bewertung, ohne dabei ein fixes Intervall dafür vorzugeben.

Um künftig Vergleiche anstellen zu können, müssen Sie auch eine Ausgangsbasis und eine Periode für die Verbräuche fixieren. Eine solche Energiedatenperiode kann eine Kalender- oder eine Heizperiode sein.

Mit Energieleistungskennzahlen bekommen Sie einen noch besseren Überblick über den energetischen Ist-Zustand Ihres Betriebs. Diese Kennzahlen veranschaulichen dann später auch auf einen Blick, wie gut Ihre Energiemanagement-Maßnahmen greifen. Diese Kennzahlen können etwa Energieverbrauch pro Quadratmeter Bürofläche oder auch Kilowattstunden pro übertragenes Gigabyte sein.

3) Legen Sie strategische und operative Ziele fest

Die strategischen und operativen Ziele, denen sich Ihr Betrieb verschreibt, müssen logischerweise Ihrer Energiepolitik entsprechen. Wenn Sie dort etwa fixiert haben, die Nutzung von erneuerbaren Energieträgern zu nutzen, dann sollten Sie diese Absicht auch als strategisches Ziel formulieren. Das operative dazu könnte dann die „Errichtung einer Wind- und Photovoltaik-Anlage am Firmengelände des Hauptsitzes“ sein. Vergessen Sie auch nicht, konkrete Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Deadlines festzulegen.

4) Schulen Sie Ihre Mitarbeiter

Alle Ihre Mitarbeiter müssen die Energiepolitik und das Energiemanagementsystem Ihres Unternehmens auch mittragen. Dazu müssen sie es auch verstehen und in ihrem Bereich umsetzen können. Ein IT-Manager muss etwa darüber Bescheid wissen, wo er energieeffiziente Hardware und IKT-Services beschaffen kann. Wenn Sie die Energiesparkompetenz Ihrer gesamten Belegschaft heben, ergibt sich dadurch weiteres Sparpotenzial. Sie können auch interne Wettbewerbe ausloben, um die Motivation fürs Energiesparen  zu steigern.

5) Steuern Sie Ihre Prozesse energieeffizient

Die konkreten Vorgaben, die sich aus Ihrer Energiepolitik, Ihren strategischen und Ihren operativen Zielen ergeben, gilt es nun, in Ihren betrieblichen Prozessen anzuwenden. Das beinhaltet konkrete Service- und Wartungspläne für Geräte und Anlagen, die diese dann energieeffizienter arbeiten lassen. Das umfasst auch ihre Beschaffung, bei der nun Energieeffizenz einer der Entscheidungskriterien ist. Beurteilen Sie zudem die Energieeffizenz oder CO2-Bilanz bei der Auswahl Ihrer externen Dienstleister. Auch wenn Sie Prozesse neu designen oder bestehende verbessern oder verändern, ist Energieeffizenz ein Faktor, den Sie mit einkalkulieren müssen.

6) Kommunizieren Sie intern und extern

Ihre Mitarbeiter sollten Sie nicht nur darüber informieren, dass in Ihrem Betrieb ein strukturiertes Energiemanagementsystem eingeführt wurde. Sie sollten regelmäßig über deren Fortschritt berichten. Geben Sie den Mitarbeitern die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen. Informieren Sie Ihre Belegschaft darüber, ob und wie diese Ideen weiterverfolgt werden. Ansonsten kommt dieses betriebliche Vorschlagwesen ins Stocken.

Inwieweit Sie die Öffentlichkeit oder zumindest Teile davon über Ihr Energiemanagementsystem und dessen Erfolg in Kenntnis setzen wollen, müssen Sie selbst abschätzen. Nachhaltiges Wirtschaften wird im Geschäftsverkehr jedenfalls immer wichtiger. Schließlich müssen große Unternehmen nun öffentlich über Ihren ökologischen Fußabdruck berichten.

7) Überwachen und analysieren Sie Ihre Energieverbräuche

Messen Sie Ihre Energieverbräuche nach einem detaillierten Messplan. Um den Verbrauch zu erfassen und immer im Blickfeld zu haben, können Software-Lösungen helfen. Bei der Überwachung müssen Sie auch externe Faktoren, wie etwa das Wetter, mit einkalkulieren. Analysieren Sie die Entwicklung der zuvor definierten Energieleistungskennzahlen, wie etwa Energieverbrauch pro übertragenem Gigabyte. Vergleichen Sie die tatsächlichen Verbrauchszahlen mit den Erwarteten. Auch die Überprüfung, ob operative Ziele erreicht wurden, zählt zu diesem laufenden Prozess.

8) Lassen Sie interne Auditoren regelmäßig prüfen

Neben der Überwachung und der Analyse empfiehlt es sich,  Mitarbeiter die Umsetzung Ihres Energiemanagements überprüfen zu lassen. Diese Mitarbeiter können dann als objektive Auditoren fungieren, wenn sie einen Bereich prüfen, für den sie keine Verantwortung tragen. Sie sollten über die ISO Norm 50001 Bescheid wissen und über entsprechende Kenntnisse im Energiebereich verfügen. Der Bericht dieser internen Auditoren kann Vorschläge zur Verbesserung Ihres Energiemanagementsystems beinhalten. Sie als Geschäftsführer sollten unbedingt diesen Bericht lesen. 

9) Überlegen Sie sich, wie Sie mit Abweichungen umgehen

Es reicht nicht, operative Ziele vorzugeben. Sie müssen auch vorher festlegen, was passiert, wenn Ihr Betrieb diese nicht erreicht. Definieren Sie also, wie Sie die Ursachen für Abweichungen ermitteln wollen. Ab welchem Abweichungsgrad Sie Maßnahmen setzen. Und: Wie diese Korrektur- oder auch Vorbeugungsmaßnahmen aussehen und Sie sie umsetzen wollen.

10) Verfassen Sie regelmäßig einen Management Review

Das letzte Glied im Energiemanagement-Zyklus ist der Management Review. In diesem schriftlichen Bericht bewertet das Top-Management das gesamte Energiemanagementsystem auf dessen Funktion und Verbesserungspotenziale. ISO 50001 definiert, welche Inhalte der Management-Review aufweisen muss. Sie können Ihren Management Review um weitere Punkte ergänzen.

Achten Sie auf adäquate Dokumentation Ihres Prozesses

Energiemanagement ist ein laufender Prozess und eine entsprechende Dokumentation natürlich wichtig. Achten Sie aber darauf, dass Sie sich nicht in einer Dokumentationsflut verlieren. Und: Stellen Sie sicher, dass die aktuellsten Versionen immer klar als solche ersichtlich sind. Die Dokumentation Ihres Energiemanagementsystems sollte den Gültigkeitsbereich und die Kernelemente, wie etwa die Energiepolitik enthalten. Welche weiteren Unterlagen Ihre Dokumentation enthalten muss, gibt ISO 50001 sehr genau vor.

Fazit: Mit diesen 10 Schritten führen Sie Energiemanagement erfolgreich ein

Energie und Ressourcen sparen ist gut. Es mithilfe eines strukturierten Energiemanagements zu tun, ist allerdings besser. Denn dadurch ist das Bekenntnis zum Ressourcen-Schonen auf jeden Fall ein nachhaltigeres. Und auch die Ersparnis bei den Energiekosten fällt höher aus. Eine schlankere Kostenstruktur aber auch ein bewussterer Umgang mit der Umwelt stärken die Wettbewerbsfähigkeit jedes Betriebs - gleich welcher Größe. Die ISO Norm 50001 bietet Ihnen eine Richtschnur, wie Sie Ihr Unternehmen energieeffizienter gestalten können.

Außerdem empfehlen wir Ihnen unseren kostenlosen Leitfaden, wie Ihr Unternehmen in 7 Schritten CO²-neutral werden kann: 

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