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Mehr als ein Jahr ist seit dem ersten Lockdown im März/April 2020 vergangen. Die Monotonie des noch immer stark eingeschränkten Alltags fordert die Menschen in Österreich heraus. Das große Impfen hat zwar bereits begonnen, doch gefühlt steht das Leben noch immer auf der Bremse. Ganz anders auf dem österreichischen Arbeitsmarkt, wo starke Bewegungen und Veränderungen zu beobachten sind.

„Home Office ist gekommen, um zu bleiben”, wie Maria Zesch, bisherige CCO Business & Digitalization bei Magenta Business, immer wieder gerne zitiert wird. Doch auch Kurzarbeit, Fachkräftemangel und die Angst vor einer Finanzkrise bestimmen den Diskurs rund um den Arbeitsmarkt der Zukunft und den geplanten Restart für Österreich.

Es war ein guter Moment, um die großen Fragen der österreichischen Arbeitswelt in dem aktuellen Digital T-Breakfast am 17.5.2021 zu erörtern. Zu Gast war der neue Bundesminister für Arbeit Martin Kocher, der nicht nur eine Rolle als politischer Akteur besetzt, sondern als ehemaliger Professor für Verhaltensökonomie mit Anwendungen in der Wirtschaftspolitik Österreich vor allem ein erfahrener Ökonom ist. Im Gespräch mit Andreas Bierwirth, CEO Magenta Telekom, Maria Zesch sowie ihrem Nachfolger Werner Kraus diskutierte die Gesprächsrunde die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, den zukünftigen Wirtschaftsstandort Österreich und die neuen Chancen im Bildungs- und Weiterbildungsbereich.

Aktuelle Entwicklungen im Arbeitsmarkt Österreich

Zu Beginn des Digital T-Breakfast gab Martin Kocher einen kurzen Einblick in die aktuelle Arbeitsmarktsituation in Österreich. Die tiefe Rezession, die das Land mit einem Wirtschaftseinbruch von 6,6% im vergangenen Jahr erlitten habe, sei nicht mit anderen Finanzkrisen zu vergleichen. Denn es hat sich nicht um einen typischen Börsencrash oder Finanzcrash, sondern um eine Pandemie mit enormen Arbeitsmarkteffekten aufgrund der behördlichen Schließungen gehandelt.

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Dadurch entstand eine Angebotskrise, da die Österreicherinnen und Österreicher gerne konsumiert hätten, aber nicht konnten. Der bislang sehr stabile Dienstleistungssektor - v.a. der Tourismus - ist von dieser noch nicht ganz klar definierten Rezessionsform besonders stark betroffen und auf staatliche Hilfen angewiesen.

Vieles weise laut Martin Kocher momentan darauf hin, dass ein steiler Aufschwung möglich sei, denn der Einkommenseinbruch ist im Vergleich zu anderen EU-Staaten deutlich geringer. Durch den Konsumrückstau hat sich bei vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Sparguthaben gebildet, das in den kommenden Monaten starke wirtschaftliche Effekte haben könnte.

4 Hard Facts zum Arbeitsmarkt in Österreich

Anhand offizieller Zahlen zeigte der Bundesminister für Arbeit auf, wie die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt aussieht.

1. Massive Verschiebungen der Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit mit und ohne Schulungsteilnehmer ist im März/April 2021 massiv angestiegen, im Sommer spürbar zurückgegangen und im Herbst wieder gewachsen. Die große Herausforderung sei es daher, die Arbeitslosigkeit nach den kommenden Sommermonaten so tief und stabil wie möglich zu halten.

2. Corona Kurzarbeit war ein wichtiger Rettungsanker

Die Einführung der Corona Kurzarbeit war ein essentiell wichtiges Instrument zur Einkommenssicherung. Besonders im Tourismus und in der Gastronomie wurden die großzügigen Hilfspakete stark genutzt. Das Ziel der Regierung sei es, mithilfe eines Comeback-Plans für einen raschen und nachhaltigen Aufschwung zu sorgen.

3. Weiterhin starker Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel, der bereits vor Corona existierte, werde der österreichischen Wirtschaft auch weiterhin erhalten bleiben. Dies beruhe vor allem auf dem „qualifikatorischen Mismatch”, denn die Mehrzahl der arbeitslos gemeldeten Personen haben einen Pflichtschulabschluss oder eine Lehrausbildung, während Unternehmen bevorzugt Personal mit Fachausbildung suchen. Dies solle u.a. mithilfe der Corona Joboffensive gelöst werden.

4. Geplant ist eine aktive Arbeitsmarktpolitik

Die große Herausforderung wird es sein, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Learning aus früheren Krisen sei es, dass hier so schnell wie möglich nachhaltig greifende Maßnahmen gesetzt werden müssten. Erreicht wird dieses Ziel etwa durch Programme wie Sprungbrett, AMS Frauenprogramm oder AMS-Schulungen.

Home Office bleibt am Arbeitsplatz der Zukunft

Nach Einschätzung von Martin Kocher wird Home Office auch in Zukunft eine Rolle spielen, wahrscheinlich als Teil des hybriden Arbeitsplatzes, wie auch Magenta ihn umzusetzen wird. Momentan befänden sich die Mitarbeiter von 60% aller österreichischen Unternehmen im Home Office, wie Maria Zesch erläuterte. Da es sich um ein so wichtiges Thema handle, wolle man im Bundesministerium für Arbeit bereits im kommenden Jahr die ersten steuerlichen Begünstigungen der neuen Home Office Regelungen evaluieren. Denn als erste wichtige Maßnahme brauche es gute und langfristig sinnvolle Regelungen für zuhause.

Zentrale Themenbereiche im Zusammenhang mit mobilem Arbeiten sind Remote Work und grenzüberschreitendes Arbeiten. Aufgrund vieler schwieriger Faktoren wie Doppelbesteuerungsabkommen und bilaterale Regelungen sei es im Moment schwer einschätzbar, ob und wann neue Regelungen folgen werden. Dabei sei dies gerade für international tätige Unternehmen mit vielen Mitarbeitern im Ausland extrem wichtig, wie die ehemalige CCO Business & Digitalization von Magenta mehrfach betonte.

Restart für Österreich

„Wir erwarten Erholung des Arbeitsmarkts durch die Öffnungen.” Der insgesamt optimistische Blick des Bundesministers Martin Kocher für Österreichs zukünftigen Arbeitsmarkt war während des Digital T-Breakfast ein guter Aufhänger, um auch über einen Restart für Österreich zu sprechen. Maria Zesch differenzierte bei dieser Frage zwischen einzelnen wirtschaftlichen Akteuren, z.B.

  • Österreich:

Österreich habe klar erkennbare Pain Points, wie etwa im Ausland lebende Mitarbeiter, für die es keine haltbaren Home Office Regelungen gebe. Auch leide das Land bis heute unter Lieferschwierigkeiten, während beispielsweise China ein Wirtschaftswachstum von 18% verzeichne. Hier gäbe es eindeutig Handlungsbedarf.

  • Magenta:

Nach dem vergangenen Jahr ist Maria Zesch sehr stolz auf das, was Magenta Telekom geleistet hat: der schnelle Ausbau des 5G-Netzes bis weit in ländliche Gebiete hinein, flexible und sinnvolle Lösungen sowie Produkte für Unternehmen und Mitarbeiter im Home Office und die kundennahe Beratung und Coachingangebote für kleine, mittlere und große Unternehmen in der Krise.

  • Unternehmen:

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen, wenn sie neu durchstarten wollen. Bei Themen wie Digitalisierung und digitaler Transformation bräuchten diese Organisationen besonders viel Unterstützung.

4-Tage-Woche: Ja oder Nein?

Die Frage, ob die 4-Tage-Woche ein gutes Modell sei, um die Beschäftigung zu erhöhen, kam von einer Zuschauerin des Digital T-Breakfast. Alle vier Gesprächsteilnehmer hatten darauf eine eigene Antwort:

Bundesminister Martin Kocher wies auf die sprunghaft ansteigenden Kosten für österreichische Unternehmen hin, die international wettbewerbsfähig sein müssen. Eine generelle Arbeitszeitverkürzung sehe er daher kritisch. Es sei natürlich legitim und problemlos möglich, wenn einzelne Firmen sich mit ihren Mitarbeitern auf eine 4-Tage-Woche einigten.

Für Andreas Bierwirth handelt es sich um ein gutes Modell, wenn „mehr Köpfe als Arbeit da sind”, was genau genommen aber ein Kurzarbeitsmodell sei, wie der Geschäftsführer der Magenta Telekom sachlich einräumte. Er gehe nicht davon aus, dass eine 4-Tage-Woche die Mitarbeiter per se glücklicher mache. Im Gegenteil erwarte er ein komplettes Umdenken in der neuen Arbeitswelt, denn „Stunden zählen ist ein Auslaufmodell.”

Werner Kraus, der neue CCO Business und Digitalization von Magenta Telekom, wies in diesem Zusammenhang auf die 35-Stunden Woche in Frankreich hin, die der dortigen Wirtschaft nachhaltig geschadet habe. „In Summengleichung geht das [Modell] theoretisch auf, aber es fehlen Qualifikationen.” Außerdem arbeiten seiner Ansicht nach viele Arbeitnehmer gerne 5 Tage pro Woche.

Auch Maria Zesch geht nicht primär davon aus, dass Mitarbeiter mit einer 4-Tage-Woche grundsätzlich glücklicher werden. Ihrer Meinung nach komme es in der Arbeitswelt der Zukunft viel mehr darauf an, dass „Unternehmen den richtigen Purpose mitbringen”. Nur so würden sie die richtigen Talente finden und binden, während das Interesse am Stunden zählen automatisch verloren gehe.

Kinder und junge Talente in der Arbeitswelt von morgen

In der Diskussion um den Fachkräftemangel und mögliche Bildungsreformen, um die Arbeitslosigkeit zu senken und den österreichischen Arbeitsmarkt wieder zu stabilisieren, ging es in der Gesprächsrunde auch um Kinder und junge Talente. Immerhin würden sie in ein paar Jahren ihren Weg zwischen Ausbildung und Studium, zwischen vielfältigen Branchen und diversen Lebenskonzepten wählen müssen.

Während Maria Zesch ihrer momentan 9-jährigen Tochter ans Herz legt, sich mit ihrer Ausbildung eher breiter als tiefer aufzustellen, rät Martin Kocher seinen Kindern das zu tun, was ihnen Spaß macht. Andreas Bierwirth ist es vor allem wichtig, dass Kinder einfach Kinder sein und ihren Interessen nach die Welt entdecken dürfen. Er selbst würde sich im Nachhinein wünschen, bereits früh ins Ausland gegangen zu sein.

Für Werner Kraus, der bereits drei erwachsene Kinder hat, war es immer wichtig, ihnen die Angst vor einer vermeintlich ultimativen Lebensentscheidung zu nehmen. In der heutigen Zeit gäbe es immer weniger starre Berufswege und viele Möglichkeiten seinen Interessen zu folgen. Daher sei es auch so wichtig, dass die Lehre wieder einen höheren Stellenwert bekomme und das Bewusstsein für lebenslanges Lernen gestärkt wird.

Fazit: Mutig und optimistisch in den Restart

Obwohl der Arbeitsmarkt sich in einer so noch nie da gewesenen Rezession befindet und über die letzten Monate starken Schwankungen ausgesetzt war, wirkten weder der Bundesminister für Arbeit noch die Magenta Führungskräfte entmutigt oder hoffnungslos. Ganz im Gegenteil schafften sie es in diesem Digital T-Breakfast die kommenden Herausforderungen klar zu benennen, aber auch die bereits greifenden Maßnahmen sowie neuen Chancen für Österreichs Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen. Sei es für den stark betroffenen Städtetourismus, den lokalen Handel, der Gesundheitsbranche oder den Arbeitslosen.

Wie Martin Kocher sachlich erläuterte, sei Europa besonders stark von der Krise betroffen, aber „der Wirtschaftsstandort Österreich ist gut und stark”. Der Restart für Österreich brauche viele verschiedene Maßnahmen wie etwa einen gelingenden Schulterschluss mit Europa, die Ausbildung bzw. Umschulung von Fachkräften sowie Mut und Bereitschaft aller, neue Chancen zu ergreifen.

 

Webcast #4 Home Office

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