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Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) bieten neue Chancen und werden bestehende Geschäftsmodelle stark verändern. Die Hardware ist bereits vorhanden. Nun kommt es darauf an fesselnde und nutzbringende Inhalte zu kreieren. Bianca Stockreiter gibt im Interview Auskunft über den Status quo und die Perspektiven der beiden Technologien und rät Unternehmen, diese einfach für sich auszuprobieren.

Frage: Können Sie die beiden Technologien Augmented Reality und Virtual Reality in wenigen Sätzen beschreiben?

Bianca Stockreiter: Der Unterschied zwischen AR und VR liegt am der Grad der Immersion, also an der Abkoppelung von der realen Umwelt während der Nutzung. In Augmented Reality bzw. Mixed Reality habe ich weiterhin mein echtes Umfeld im Blick, es werden lediglich wie zum Beispiel bei Pokémon Go digitale Objekte über mein Sichtfeld gelegt. Virtual Reality bedeutet, dass ich nur mehr das wahrnehme, was mir die VR-Brille zeigt. Das kann eine Simulation, ein Spiel oder auch ein Spielfilm sein. Der Grad der Immersion ist bei VR höher, weil ich visuell und meist auch auditiv über Kopfhörer von meiner Umwelt getrennt bin und eintauche.

Bianca Stockreiter - Augmented und Virtual Reality im Unternehmenseinsatz

Frage: Wie weit sind die beiden Bereiche bereits entwickelt?

Bianca Stockreiter: Bei beiden Technologien wurden in den letzten Jahren wichtige Meilensteine erreicht, die mit der Hardware begonnen haben. Bei VR sind mittlerweile einige Brillen, so genannte Head-Mounted-Displays, auf dem Markt wie etwa Oculus Rift, HTC Vive, oder Playstation VR. Daneben gibt es noch die Brillen, bei denen das Smartphone als Display fungiert und in einen Aufsatz geschoben wird. Die Samsung Gear VR ist etwa so eine Brille.

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Beim Thema AR/Mixed Reality ist mittlerweile die Microsoft HoloLens Entwicklerversion zu einem stolzen Preis von rund 3.000 Dollar zu haben. Sie richtet sich aktuell viel stärker an Unternehmen als VR-Systeme dies tun. Diese bedienen derzeit noch vorrangig den Entertainmentsektor.

Kurz: Die Hardware ist jetzt da, die größten Herausforderungen sind jetzt: Mitreißende Inhalte oder Services zu schaffen, die die Vorzüge der Technologie demonstrieren. Außerdem ist aktuell bei Steuerungssystemen, mit denen man mit den virtuellen Inhalten interagiert, eine sehr hohe Innovationsdynamik zu beobachten.

Frage: Welche aktuellen Technologien spielen bei AR und VR eine Rolle und was fehlt noch, damit beide zum Massenmarkt werden?

Bianca Stockreiter: Tatsächlich fließen zahlreiche unterschiedliche Technologien in die Entwicklung eines perfekten AR bzw. VR-Systems. Darunter zählen die vernetzte Sensortechnik für die Verortung und Bewegung im Raum, die Interaktion mit digitalen Objekten, also etwa die Objekterkennung der Hände bei der Steuerung und ein hochwertiges Audiosystem zur Abrundung des immersiven Erlebnisses. Ein wichtiger Usability-Faktor der nächsten VR-Hardwaregeneration wird die Kabellosigkeit werden. Bisher ist bei den Head-Mounted-Displays eine Kabelverbindung zu einem Computer oder einer Spielkonsole notwendig. Allein die HoloLens funktioniert bereits ohne Standverbindung. Vielleicht ist ja das nächste Smartphone bereits performantes Mixed-Reality-Device. Dann wird die Frage nach der Massenmarkt-Adaption relativ schnell geklärt sein.

Frage: Welche Geschäftsmodelle ergeben sich aus den beiden neuen Technologien? Und: Welche Geschäftsmodelle werden Augmented und Virtual Reality mittelfristig sehr stark verändern?

Bianca Stockreiter: Letztendlich ist AR/AV eine weitere digitale Plattform, die mit Inhalten bespielt werden kann. Die Gatekeeper werden zunächst die Hardwarehersteller sein. Inhalte in AR/AV können genauso wie andere Online-Inhalte monetarisiert werden. Marketer müssen die Plattform also ab sofort mitdenken, zum Beispiel beim Thema Product Placement oder Online Werbung. Vielleicht entstehen neue Werbeformate oder Abomodelle. Auch eine Art Freemium-Monetarisierung durch die Freischaltung von Tokens (digitaler Güter) oder Funktionen ähnlich wie es bereits in Games passiert, halte ich für realistisch. Soweit die Konsumentenperspektive.

Bezüglich neuer Geschäftsmodelle: Stellen wir uns vor, dass Austrian Airlines die Businessflüge streicht und stattdessen einen virtuellen Konferenzraum an Geschäftskunden vermietet. Stellen wir uns Dating, Fernbeziehungen, Shopping, Kurzurlaub, (Angst-)Therapie, Wohnungsbesichtigungen oder Küchenplanung in Virtual Reality oder Mixed Reality vor. Oder den exklusiven Zugang zu Events, die gerade am anderen Ende der Welt stattfinden. Und jetzt stellen wir uns vor, wer diese Services bereitstellen wird. Sind es erfahrene Immobilienmakler, Reiseanbieter, Datingportale oder werden es ganz neue Player sein, die früh genug das Potenzial sehen?

Frage: Gibt es bereits Unternehmen/Branchen, die AR oder VR oder beides in der Praxis einsetzen? Wie sehen solche Use-Cases aus?

Bianca Stockreiter: Es gibt bereits zahlreiche Use Cases und auch die Branchen, die bereits dran sind, sind sehr unterschiedlich. Gaming, Entertainment, Shopping liegen natürlich auf der Hand. Darüber hinaus gibt es weitere Anwendungsmöglichkeiten: Das Unternehmen Virao beispielsweise bietet den Marktforschungsservice „behavr“  in Virtual Reality an. Die Testpersonen schlendern durch virtuelle Supermarktgänge und werden dabei genau getrackt: Wo schauen sie hin, sehen sie dies oder jenes Produkt an dieser Stelle überhaupt, oder sollte es besser platziert werden? Auch bei den Themen Forschung & Entwicklung, beim Design von neuen Produkten bis hin zur Planung von neuen Wohnanlagen oder zukünftiger Produktionsstraßen und Produktionsprozesse ist großes Potenzial zu sehen. Weiters: Fernbesichtigungen, Fernwartungen oder Schulungen für komplexe Arbeitsabläufe können ortsunabhängig stattfinden. Ebenso Kundenservice, Meetings oder Telefonkonferenzen.

Augemented und Virtual Reality Cebit 2016.jpg

Frage: Wie schwer ist der Einstieg für Unternehmen in das Thema AR und VR und wie sollten Unternehmen vorgehen?

Bianca Stockreiter: Was man auf jeden Fall intern lösen kann, ist, die Sinnhaftigkeit des Einsatzes im eigenen Unternehmen zu evaluieren. Ist AR für meine internen Prozesse interessant? Oder verändert AR/VR sogar mein Produkt, meine Dienstleistung, die Anforderungen meiner Kunden. Wenn man sich darüber klar geworden ist, kann man sich an Agenturen wie beispielsweise Holo Light oder Virao wenden, die sich genau darauf spezialisiert haben, individuelle Lösungen für Unternehmen zu entwickeln.

Frage: Wie stark werden Ihrer Meinung nach die beiden Technologien in zwei Jahren in der Unternehmenspraxis verbreitet sein?

Bianca Stockreiter: In zwei Jahren werden die innovativen Vorreiterunternehmen ihre ersten Services im Einsatz haben, dann werden die anderen folgen. Die schnellste Verbreitung werden Services erfahren, die Unternehmen schnell sichtbare Ressourceneffizienz bringen, wie die bereits genannten Besprechungen in VR, die mit einem Schlag Reisekosten, Zeit und Mühe aus der Arbeitswelt nehmen.

Fragen: Was würden Sie Unternehmen empfehlen, die sich für AR bzw. VR interessieren?

Bianca Stockreiter: Unbedingt jede Chance nutzen, auf Events, Messen oder in Wien auch in der VR-Lounge Vrei AR oder VR selbst auszuprobieren. Wir können viel davon erzählen und die Einsatzbereiche aufzählen, aber noch stärker als sonst gilt hier: Probieren geht über studieren.

Danke für das Gespräch.

ad personam Bianca Stockreiter

Mag. (phil) Bianca Stockreiter begann im Sommer 2009 bei TRENDONE als Trendscout. Heute ist sie Innovation Analyst im Berliner Büro des Trendforscher-Unternehmens. Sie widmet sich der Wechselwirkung zwischen Technologie und Gesellschaft und beobachtet Netzkultur und -politik. In Zusammenhang mit dem Trenduniversum von TRENDONE bewegt sich Bianca Stockreiter nicht nur auf der Micro-Trendebene, sondern erforscht auch Macro- und Mega-Trends. Sie schreibt Beiträge für den TRENDONE-Blog, ist Teil des Projektteams "Trendbook" und außerdem verantwortlich für das Format "Futuregram". Nach ihrem Bachelor-Studium in Medienmanagement, schloss Stockreiter 2016 ihr Master-Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien mit einer Abschlussarbeit zum Thema "Selbstdarstellung und Prominenz von politischen JournalistInnen in sozialen Netzwerken" ab.

 

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